8. Januar 2019

Goldenes Handwerk – bleibt die Baukultur auf der Strecke?

Architekten und Handwerker planen und schaffen zusammen Baukultur. Aber die Qualität handwerklicher Fähigkeiten geht zunehmend verloren, der ganzheitliche Planungs- und Bauprozess droht auseinander zu fallen. Qualität und Ästhetik werden einer zunehmenden Anzahl einzuhaltender Standards, technischer Ausstattung, engen Termin- und Kostenrahmen untergeordnet oder fallen der aktuellen Vergabepraxis und dem mangelnden Nachwuchs zum Opfer. Eine Sensibilisierung der Gesellschaft für baukulturelle und handwerkliche Qualitäten ist nötig.
Qualität in Planung und Ausführung: Hofgut Karpfsee, (Architekt: Florian Nagler, Fotograf: Pk. Odessa Co)

Georg Redelbach, Architekt und Stadtplaner, Marktheidenfeld

Anfang des Jahres 2018 verabschiedeten der Schweizer Bundespräsident Alain Berset und die europäischen Kulturministerinnen und Kulturminister die „Davos Declaration“ – ein Plädoyer für die Relevanz der Baukultur und damit einhergehend für ein qualitätvolles Bauen. Qualitätvolles Bauen – das schließt sowohl eine sorgfältige, durchdachte Planung, als auch Ausführung mit ein. Für eine zielorientierte Umsetzung des Geplanten ist der Dialog zwischen Architekten und den Ausführenden besonders entscheidend. Doch gerade bei Letzteren, den ausführenden Handwerkern, spitzt sich die Lage in Betracht auf die sinkenden Beschäftigungs- und Auszubildendenzahlen in den letzten Jahren immer weiter zu. Parallel zu dieser Entwicklung nimmt auch oft die Qualität der handwerklichen Fähigkeiten ab. Die Verantwortung für diese Problematik liegt dabei wahrscheinlich zuletzt beim Handwerkgewerk selbst. Dieser liegen vielseitige und vielschichtige, politische, ökonomische, sozio-kulturelle Ursachen zu Grunde. Es stellt sich die Frage, wie sich dieser Dialog zwischen Architekten und Handwerkern in Zukunft darstellen wird und wie qualitätvolles Bauen weiterhin, oder wieder funktionieren kann.

Anfang des Jahres 2018 verabschiedeten der Schweizer Bundespräsident Alain Berset und die europäischen Kulturministerinnen und Kulturminister die „Davos Declaration“ – ein Plädoyer für die Relevanz der Baukultur und damit einhergehend für ein qualitätvolles Bauen. Qualitätvolles Bauen – das schließt sowohl eine sorgfältige, durchdachte Planung, als auch Ausführung mit ein. Für eine zielorientierte Umsetzung des Geplanten ist der Dialog zwischen Architekten und den Ausführenden besonders entscheidend. Doch gerade bei Letzteren, den ausführenden Handwerkern, spitzt sich die Lage in Betracht auf die sinkenden Beschäftigungs- und Auszubildendenzahlen in den letzten Jahren immer weiter zu. Parallel zu dieser Entwicklung nimmt auch oft die Qualität der handwerklichen Fähigkeiten ab. Die Verantwortung für diese Problematik liegt dabei wahrscheinlich zuletzt beim Handwerkgewerk selbst. Dieser liegen vielseitige und vielschichtige, politische, ökonomische, sozio-kulturelle Ursachen zu Grunde. Es stellt sich die Frage, wie sich dieser Dialog zwischen Architekten und Handwerkern in Zukunft darstellen wird und wie qualitätvolles Bauen weiterhin, oder wieder funktionieren kann.

Grundlegend für die Bewerkstelligung dieser Qualität ist dabei die Sensibilisierung der Gesellschaft für Baukultur. Hiermit ist vor allem die Befähigung zur Bewertung hochwertiger und sorgfältiger Handwerksarbeit gemeint. Damit diese auch wirklich breitenwirksam wird, muss bei der Vermittlung am besten schon bei Kindern und Jugendlichen angesetzt werden. Mit einer veränderten Wertschätzung für das Handwerk innerhalb der Gesellschaft würden Handwerksberufe auch wieder an Attraktivität für Jugendliche gewinnen. Ein Beispiel, wo bereits ein sehr guter Austausch zwischen Architekten, Planern und Handwerksbetrieben, sowie eine gründliche Ausbildungskultur besteht, ist der Bregenzerwald, mit dem dort ansässigen Werkraum als Schnittstelle und Bindeglied beider Parteien. Die dortigen Architekturen zeigen, welche Qualität aus einem gewinnbringenden, sich gegenseitig bekräftigenden Austausch der am Bau beteiligten Parteien entstehen kann.

Ein Prozess, der in den letzten Jahrzehnten weitreichende Veränderungen in Gesellschaft, Kultur, Industrie und somit auch am Bau mit sich gebracht hat und bringen wird, ist die Digitalisierung. So wie Entwurfs- und Planungsprozesse bereits weitestgehend digitalisiert sind, sollten digitale Fabrikationsprozesse verstärkt auch in die mittelständischen Handwerksbetriebe integriert werden. So kann aus dem Miteinander und dem Austausch zwischen dem klassischen Handwerk und modernen digitalen Fabrikationsprozessen Kreativität und technische Innovation entstehen. Durch die Integration von neuen Maschinen und Robotern aus der Industrie verschiebt sich natürlich auch das klassische Aufgabengebiet des Handwerkers. Die Maschinensteuerung und Programmierung rückt vermehrt in den Mittelpunkt des Aufgabengebietes der Handwerker. Wichtig ist dabei, diesen verstärkten Einsatz von robotisch gesteuerten Maschinen, nicht als hemmendes Moment der Kreativität und Fähigkeiten der Handwerker zu sehen, sondern als Möglichkeit komplexe, technologisch anspruchsvolle Aufgaben umsetzen zu können. Für die Bewältigung dieser Aufgaben braucht es gut ausgebildete, kreative, motivierte Menschen – eine Möglichkeit neue Anreize für junge Menschen zu setzen und die Attraktivität der Berufe in der „Hand“-werksbranche zu steigern.

Des Weiteren verhilft die weitere Integration von digitaler Software und Steuerung in den Handwerksbetrieben zu einem reibungslosen Prozess von der Planung zum Bau. Durch den Austausch von Entwurfs- und Planungsinformationen mittels digitaler Software entfällt die Zwischenstufe des Erstellens von Plänen für die jeweilige andere Partei. Die digitalen Informationen können direkt an die Maschinen weitergegeben werden, welche diese dann in die jeweiligen Bauteile und Werkstücke umsetzen.
Zuletzt müssen natürlich auch seitens der Politik und des europäischen Wirtschaftsraums Grundlagen und Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den Handwerksbetrieben wieder Freiräume ermöglichen, um innovativ und qualitätvoll zu arbeiten. Dies schließt vor allem auch eine Überarbeitung des Vergaberechts für Handwerksleistungen ein, bei dem nicht nur die Prämisse des kostengünstigsten Angebotes, sondern Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit im Mittelpunkt stehen sollten.

Teilnehmer:

Max Zitzelsberger, Architekt, München, Kneiting

Das Handwerk ist tot. Um ganz ehrlich zu sein, habe ich lange geglaubt, dies sei der Grund dafür, warum es keine guten Alltagsarchitekturen mehr gibt. Ich denke dabei an alte Bauernhöfe, die wir heute in Freilichtmuseen begutachten. Ich habe diese zweifelsohne wunderschönen Gebäudlichkeiten mit den landwirtschaftlichen Bauten unserer Zeit verglichen. Letztere sind meist Fertigprodukte, die schlüsselfertig aufgestellt werden. Sie kamen mir sehr lange sehr hässlich vor und ich habe diesen Verlust der Gestalt von Alltagsarchitekturen aber auch Alltagsgegenständen beklagt. Eine wesentliche Begründung für diesen Verlust schien mir das Verlorengehen des Handwerks zu sein. Denn wie gesagt, das Handwerk ist tot. Es gibt nur noch Montage. Die Frage ist aber, ob das je anders war. Was ist denn bitte Handwerk? Fenster werden schon seit langer Zeit vorfabriziert und nicht direkt auf der Baustelle gebaut. Jedes Werkzeug ist eine Verlängerung des menschlichen Arms und damit eine Entfernung vom Handwerk. Da unterscheidet sich der Stichel nicht vom Fräskopf. Der Prozess weg von der Hand hin zur Maschine ist kein sehr junger. Er begann schon in der Steinzeit. Doch was heißt das?

Die Frage nach dem Gestaltverlust ist eine Frage der Perspektive. Denn die alten Bauernhäuser erscheinen uns nur rückblickend als schön. Und die zeitgemäßen landwirtschaftlichen Gebäude hatten noch nicht die Chance ihre Schönheit gebührend unter Beweis zu stellen. Die Schönheit liegt bekanntermaßen im Auge des Betrachters. Der Verlust des Handwerks kann nicht schuld sein an einem Gestaltverlust unserer Umwelt. Denn diesen gibt es nicht. Das Handwerk ist tot, mag sein. Ich glaube es hat nie ein echtes Handwerk gegeben.

Prof. Katja-Annika Pahl, Architektin und Hochschullehrerin, Hamburg, Bremen

Um baukulturelle Werte zu schaffen, bedarf es auch in Zeiten einer zunehmenden Digitalisierung einer Kultur des ganzheitlichen Planungs- und Bauprozesses. Einer Kultur, in der Bauhandwerker und Architekten sich – unabhängig davon, ob Prozesse digital oder analog geprägt sind – gegenseitig respektieren, miteinander diskutieren und im Sinne einer gemeinsamen Sache handeln. Einer Kultur, in der es gelingt, so zu kooperieren, dass das Können und Wissen des jeweils anderen als Ansporn und Bereicherung gesehen wird, um ein bauliches Werk zu schaffen, auf das man zusammen stolz sein kann. Auf diese Weise könnten Architekten und Handwerker eine starke Allianz für die Qualität unserer gebauten Umwelt bilden.

Dass dies in der Realität nicht immer so der Fall ist, ist hinlänglich bekannt. Es wird von beiden Seiten beklagt.

An der School of Architecture Bremen meinen wir, dass eine solche Kultur der Zusammenarbeit möglichst früh thematisiert, erprobt und durch praktisches Tun erfahren werden sollte. Normalerweise lernen sich Handwerker und Architekten erst nach der Ausbildung im Berufsleben als Partner kennen. In Entwurfs-Projekten, die wir unter den Titel „Handwerk und Architektur“ gestellt haben, bearbeiten in Bremen Masterstudenten mit angehenden Handwerksmeister gemeinsam Entwurfsprojekte und realisieren schließlich zusammen ein Mock-Up im Maßstab 1:1. Nach anfänglicher gegenseitiger Skepsis – und nach Überwindung der Hürde, inhaltliche und terminliche Anforderungen der beiden Ausbildungsgänge auf einen Nenner zu bringen – entwickelt sich während dieser Projekte eine erstaunliche Dynamik.

Durch das gemeinsame Arbeiten an einem Projekt beginnen die Teilnehmer schnell zu erkennen und wertzuschätzen, welche besonderen Fähigkeiten und Kenntnisse die jeweils anderen besitzen. Begeistert wird festgestellt, dass die zusammen bearbeiteten Projekte gegenüber denen, die nur von Studierenden bearbeitet werden, deutlich an Qualität gewinnen. Neben der übergeordneten Intention des gegenseitigen Kennenlernens von spezifischen Arbeitsweisen und Auffassungen liegt ein weiteres wichtiges Ziel dieser Projekte darin, den Teilnehmern Strategien zu vermitteln, die dazu führen können, einen besseren gemeinsamen Bezugsrahmen als Grundlage einer erfolgreichen Kommunikation herzustellen.

In einem Text der Bundesstiftung Baukultur wird die Herstellung von Baukultur beschrieben als ein „gesellschaftlicher Prozess, der auf einer breiten Verständigung über qualitative Werte und Ziele beruht“. In diesem Sinne ist zu hoffen, dass die bereits in der Ausbildung erprobte Verständigung und Zusammenarbeit von Handwerkern und Architekten später im „echten Leben“ erinnert wird, und ein wichtiger Baustein für ein Agieren im Kontext dieses sich stetig wandelnden gesellschaftlichen Prozesses sein kann.

Dr. Reinhard Pfeiffer, Stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München

Was haben Baustellen und die BAU als Weltleitmesse für Architektur, Materialien und Systeme gemeinsam? Richtig, beide sind auf das funktionierende Zusammenspiel zwischen Architekten, Ingenieuren und Handwerkern angewiesen. Eine Baustelle, auf der eine der drei genannten Gruppen fehlt, wird voraussichtlich nie fertiggestellt. Die Messe BAU ist nur deshalb so erfolgreich, weil sie die verschiedenen Perspektiven von Architekten, Ingenieuren und Handwerkern abdeckt und somit wiederum diese Personen als Besucher anspricht.

Diesen Zusammenhang sollte man auch im Hinterkopf behalten, wenn es um die Frage geht, ob die Baukultur auf der Strecke bleibt. Die Diskussion darüber ist vermutlich so alt wie das Bauen selbst.
Wir als Veranstalter der Weltleitmesse für Architektur, Materialien und Systeme bieten deshalb eine Plattform zum Austausch zwischen Architekten, Ingenieuren und Handwerkern, damit diese die Zukunft des Bauens gemeinsam gestalten.

Ein Beispiel für die zukünftige Zusammenarbeit von Architekten, Ingenieuren und Handwerkern zeigt die Digitalisierung im Bauwesen. Mit den jüngsten Entwicklungen im IT-Bereich und vor allem mit BIM (Building Information Modeling) verändert sich das Planen enorm. Die architektonische Idee und der Entwurf entspringen nach wie vor der Kreativität des Architekten, Innenarchitekten und Gestalters. Die handfeste Werkplanung erfolgt dann digital und kommt Gewerke übergreifend zum Einsatz. Die Arbeit des Handwerkers ändert sich damit zwar, sein Know-how wird jedoch immer gefragt sein.

Darüber hinaus geht es beim Bauen neben der guten Gestaltung und dem guten Arrangieren von Materialien zunehmend um komplexe Tragwerke, leichte Konstruktionen und hoch technologisierte Bauteile. Für Architekten und Ingenieure werden zukünftig die digitalen Planungswerkzeuge hilfreich sein, mit denen sich Daten direkt in individuell gefertigte Bauteile übersetzen lassen.

Benedict Esche, Baukünstler und Rompreisträger, München

Dieselbe Sprache sprechen. Wie es der Bauhaus-Gründer Walter Gropius 1919 forderte: „Wir müssen zum Handwerk zurück“ und es damit umfassend beschrieb. Der italienische Bauhistoriker Vittoriuo Magnago Lampugnani zielte mit seiner Schrift „Die Modernität des Dauerhaften. Essays zu Stadt, Architektur und Design“ auf eine ähnliche Rückbesinnung auf vorindustrielle Werte und Methoden. Wir brauchen uns. Auf Augenhöhe, immer wertschätzend und ohne Diskussionen und Hierachien, wer oder was nun zu erst käme und vermeintlich wichtiger sei. Architekten und Handwerker müssen heute mehr denn je zu einer gemeinsamen Sprache finden, gemeinsam Aufgaben und Lösungen finden und diese positiv gestalten. Dabei geht es auch um Verantwortungen in einem partizipativen Bauverständnis. Architekt undf Handwerker gestalten in anderen Maßstäben. Lässt man sich darauf ein, entstehen wundervolle Potenziale. Eigene Impulse und neue Möglichkeiten.

Auf der Baustelle sind wir wie alle Architekten über alle Altersschichten hinweg im Vergleich zu den Jahrzehnten auf dem Bau geschulten Handwerkern keine Experten. Versteht und akzeptiert man das, fällt einem vieles leichter. Es geht vielmehr darum, eine gewisse Idee und konstruktive Ausformulierung zu definieren und dann in Gesprächen die ausführenden Gewerke diese auch wieder zu hinterfragen und prüfen zu lassen, bis man auf eine gute und sinnhaftige Lösung kommt. Wir müssen dieselbe Sprache sprechen. Das verstehe ich unter kollektiven oder kommunikativen Arbeiten. Es geht dabei auch zunächst um hierachielose Diskussionen und Fachgespräche mit Bauherren, Kollegen und dann schliesslich Handwerkern. mit denen es dann gilt. effiziente Lösungen zu definieren, die dann auch umgesetzt werden können.

Dieses Arbeiten schafft eine Architektur des Dialogs und damit die Möglichkeit, als Architekten die Verbindung über unsere Arbeit zu den Bauherren, Investoren und in die Gesellschaft zu tragen. Es geht heute mehr denn je darum, Menschen für Architektur zu begeistern. Dafür zu brennen. Etwas zu lieben. Denn Architektur gestaltet Raum. Dabei geht es auch darum, das Handwerk und den Handwerker zu begeistern und gemeinsam mit ihm an der Aufgabe zu wachsen.

Gerne erinnere ich mich an die fast kindliche und reine Freude auf Baustellen über das Setzen von Zapfen in Balken oder die eben nicht auf 15 cm, sondern auf 17 cm gesetzten Steckdosen. Ich denke an wilde Konstruktionen der Dachbalken oder das liebevoll genannte „Zaubern“ mit irrwitzig dünnen Trennwänden. Ein Steinmetz, der mehrfach nach Italien fuhr, um mit uns den richtigen Marmor auszuwählen oder ein Elektromeister, der sich noch mit 70 Jahren mit der Thematik des Smarthomes auseinandersetzt und diese schliesslich auch umsetzt und die Elektrokabel in sauberer, fast kunstvoll anmutender Art sorgfälltig verlegte.

Besteht die Aufgabe als Architekt nicht darin, Ideen zu setzen und Hypothesen aufzustellen, die dann in gemeinsamen Diskussionen in der Realisierung auch widerlegt werden können und sich möglicherweise damit auch als Idee nicht halten lassen? Heisst das nicht, Themen gemeinsam zu setzen und unsere Sprache weiterzuentwickeln? Ein Eingang kann eine Tür sein, oder ein Tor oder ein Portal und hat damit einen ganz anderen Charakter, obwohl sie den selben Zweck erfüllt. Im Detail und in der Vielfalt der Materialitäten und deren charakteristischen und auch baulichen Eigenschaften ist es ähnlich. Es gibt große Möglichkeiten, wenn wir darüber anfangen zu sprechen.

Grundlegend für die Bewerkstelligung dieser Qualität ist dabei die Sensibilisierung der Gesellschaft für Baukultur. Hiermit ist vor allem die Befähigung zur Bewertung hochwertiger und sorgfältiger Handwerksarbeit gemeint. Damit diese auch wirklich breitenwirksam wird, muss bei der Vermittlung am besten schon bei Kindern und Jugendlichen angesetzt werden. Mit einer veränderten Wertschätzung für das Handwerk innerhalb der Gesellschaft würden Handwerksberufe auch wieder an Attraktivität für Jugendliche gewinnen. Ein Beispiel, wo bereits ein sehr guter Austausch zwischen Architekten, Planern und Handwerksbetrieben, sowie eine gründliche Ausbildungskultur besteht, ist der Bregenzerwald, mit dem dort ansässigen Werkraum als Schnittstelle und Bindeglied beider Parteien. Die dortigen Architekturen zeigen, welche Qualität aus einem gewinnbringenden, sich gegenseitig bekräftigenden Austausch der am Bau beteiligten Parteien entstehen kann.

Ein Prozess, der in den letzten Jahrzehnten weitreichende Veränderungen in Gesellschaft, Kultur, Industrie und somit auch am Bau mit sich gebracht hat und bringen wird, ist die Digitalisierung. So wie Entwurfs- und Planungsprozesse bereits weitestgehend digitalisiert sind, sollten digitale Fabrikationsprozesse verstärkt auch in die mittelständischen Handwerksbetriebe integriert werden. So kann aus dem Miteinander und dem Austausch zwischen dem klassischen Handwerk und modernen digitalen Fabrikationsprozessen Kreativität und technische Innovation entstehen. Durch die Integration von neuen Maschinen und Robotern aus der Industrie verschiebt sich natürlich auch das klassische Aufgabengebiet des Handwerkers. Die Maschinensteuerung und Programmierung rückt vermehrt in den Mittelpunkt des Aufgabengebietes der Handwerker. Wichtig ist dabei, diesen verstärkten Einsatz von robotisch gesteuerten Maschinen, nicht als hemmendes Moment der Kreativität und Fähigkeiten der Handwerker zu sehen, sondern als Möglichkeit komplexe, technologisch anspruchsvolle Aufgaben umsetzen zu können. Für die Bewältigung dieser Aufgaben braucht es gut ausgebildete, kreative, motivierte Menschen – eine Möglichkeit neue Anreize für junge Menschen zu setzen und die Attraktivität der Berufe in der „Hand“-werksbranche zu steigern.

Des Weiteren verhilft die weitere Integration von digitaler Software und Steuerung in den Handwerksbetrieben zu einem reibungslosen Prozess von der Planung zum Bau. Durch den Austausch von Entwurfs- und Planungsinformationen mittels digitaler Software entfällt die Zwischenstufe des Erstellens von Plänen für die jeweilige andere Partei. Die digitalen Informationen können direkt an die Maschinen weitergegeben werden, welche diese dann in die jeweiligen Bauteile und Werkstücke umsetzen. 

Zuletzt müssen natürlich auch seitens der Politik und des europäischen Wirtschaftsraums Grundlagen und Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den Handwerksbetrieben wieder Freiräume ermöglichen, um innovativ und qualitätvoll zu arbeiten. Dies schließt vor allem auch eine Überarbeitung des Vergaberechts für Handwerksleistungen ein, bei dem nicht nur die Prämisse des kostengünstigsten Angebotes, sondern Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit im Mittelpunkt stehen sollten.

Wir danken unseren Partnern:
     

Max Zitzelsberger

Architekt, München, Kneiting

Das Handwerk ist tot. Um ganz ehrlich zu sein, habe ich lange geglaubt, dies sei der Grund dafür, warum es keine guten Alltagsarchitekturen mehr gibt. Ich denke dabei an alte Bauernhöfe, die wir heute in Freilichtmuseen begutachten.

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Ich habe diese zweifelsohne wunderschönen Gebäudlichkeiten mit den landwirtschaftlichen Bauten unserer Zeit verglichen. Letztere sind meist Fertigprodukte, die schlüsselfertig aufgestellt werden. Sie kamen mir sehr lange sehr hässlich vor und ich habe diesen Verlust der Gestalt von Alltagsarchitekturen aber auch Alltagsgegenständen beklagt. Eine wesentliche Begründung für diesen Verlust schien mir das Verlorengehen des Handwerks zu sein. Denn wie gesagt, das Handwerk ist tot. Es gibt nur noch Montage. Die Frage ist aber, ob das je anders war. Was ist denn bitte Handwerk? Fenster werden schon seit langer Zeit vorfabriziert und nicht direkt auf der Baustelle gebaut. Jedes Werkzeug ist eine Verlängerung des menschlichen Arms und damit eine Entfernung vom Handwerk. Da unterscheidet sich der Stichel nicht vom Fräskopf. Der Prozess weg von der Hand hin zur Maschine ist kein sehr junger. Er begann schon in der Steinzeit. Doch was heißt das? 

Die Frage nach dem Gestaltverlust ist eine Frage der Perspektive. Denn die alten Bauernhäuser erscheinen uns nur rückblickend als schön. Und die zeitgemäßen landwirtschaftlichen Gebäude hatten noch nicht die Chance ihre Schönheit gebührend unter Beweis zu stellen. Die Schönheit liegt bekanntermaßen im Auge des Betrachters. Der Verlust des Handwerks kann nicht schuld sein an einem Gestaltverlust unserer Umwelt. Denn diesen gibt es nicht. Das Handwerk ist tot, mag sein. Ich glaube es hat nie ein echtes Handwerk gegeben.

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Prof. Katja-Annika Pahl

Architektin und Hochschullehrerin, Hamburg, Bremen

Um baukulturelle Werte zu schaffen, bedarf es auch in Zeiten einer zunehmenden Digitalisierung einer Kultur des ganzheitlichen Planungs- und Bauprozesses.

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Einer Kultur, in der Bauhandwerker und Architekten sich – unabhängig davon, ob Prozesse digital oder analog geprägt sind – gegenseitig respektieren, miteinander diskutieren und im Sinne einer gemeinsamen Sache handeln. Einer Kultur, in der es gelingt, so zu kooperieren, dass das Können und Wissen des jeweils anderen als Ansporn und Bereicherung gesehen wird, um ein bauliches Werk zu schaffen, auf das man zusammen stolz sein kann. Auf diese Weise könnten Architekten und Handwerker eine starke Allianz für die Qualität unserer gebauten Umwelt bilden.

Dass dies in der Realität nicht immer so der Fall ist, ist hinlänglich bekannt. Es wird von beiden Seiten beklagt. 

An der School of Architecture Bremen meinen wir, dass eine solche Kultur der Zusammenarbeit möglichst früh thematisiert, erprobt und durch praktisches Tun erfahren werden sollte. Normalerweise lernen sich Handwerker und Architekten erst nach der Ausbildung im Berufsleben als Partner kennen. In Entwurfs-Projekten, die wir unter den Titel „Handwerk und Architektur“ gestellt haben, bearbeiten in Bremen Masterstudenten mit angehenden Handwerksmeister gemeinsam Entwurfsprojekte und realisieren schließlich zusammen ein Mock-Up im Maßstab 1:1. Nach anfänglicher gegenseitiger Skepsis – und nach Überwindung der Hürde, inhaltliche und terminliche Anforderungen der beiden Ausbildungsgänge auf einen Nenner zu bringen – entwickelt sich während dieser Projekte eine erstaunliche Dynamik. 

Durch das gemeinsame Arbeiten an einem Projekt beginnen die Teilnehmer schnell zu erkennen und wertzuschätzen, welche besonderen Fähigkeiten und Kenntnisse die jeweils anderen besitzen. Begeistert wird festgestellt, dass die zusammen bearbeiteten Projekte gegenüber denen, die nur von Studierenden bearbeitet werden, deutlich an Qualität gewinnen. Neben der übergeordneten Intention des gegenseitigen Kennenlernens von spezifischen Arbeitsweisen und Auffassungen liegt ein weiteres wichtiges Ziel dieser Projekte darin, den Teilnehmern Strategien zu vermitteln, die dazu führen können, einen besseren gemeinsamen Bezugsrahmen als Grundlage einer erfolgreichen Kommunikation herzustellen. 

In einem Text der Bundesstiftung Baukultur wird die Herstellung von Baukultur beschrieben als ein „gesellschaftlicher Prozess, der auf einer breiten Verständigung über qualitative Werte und Ziele beruht“. In diesem Sinne ist zu hoffen, dass die bereits in der Ausbildung erprobte Verständigung und Zusammenarbeit von Handwerkern und Architekten später im „echten Leben“ erinnert wird, und ein wichtiger Baustein für ein Agieren im Kontext dieses sich stetig wandelnden gesellschaftlichen Prozesses sein kann. 

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Alexander Habla

Hauptgeschäftsführer Landesinnungsverband des Bayerischen Zimmererhandwerks, München

In den zurückliegenden Jahren ist vermehrt feststellbar, dass die Verständigung zwischen den Baubeteiligten leidet. Dies liegt nach unserer Erfahrung darin, dass unabhängig voneinander, quasi jeder Beruf für sich, ausgebildet wird und keine Schnittstellen vorhanden sind.

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Architekten werden akademischer bzw. auch theoretischer. Ein Ansatz wäre Meisterschüler/Zimmerergesellen gemeinsam mit den Architekten/Studenten auf die „Schulbank“ zu setzen wo es um Grundlagen geht. Wie oft hören wir am Telefon, „ … diesen Plan kann doch kein Mensch bauen …“. Ziel muss es sein, die unterschiedlichen Ausdrucksweisen so zu gestalten, dass alle Beteiligten das gleiche Bild vom Werk bekommen. Dies verbunden mit der Erkenntnis der darin steckenden Schwierigkeiten. Daraus leitet sich dann auch ein tiefer gehendes Verständnis ab, für die Reaktionen des jeweiligen Gegenübers, wenn über die Ausführung einer Baumaßnahme diskutiert wird.

Vergleichbares können wir auch im Bereich des Sachverständigenwesens feststellen. Seit längerer Zeit verfolgen wir hier das Ziel, Juristen und HwO-Sachverständige zusammen zu bringen. In Fortbildungsveranstaltungen binden wir Richter als Referenten mit ein, damit der Umgang von Handwerkern mit Juristen und umgekehrt geübt werden kann. Für die Zukunft können wir uns hier auch Patenschaften vorstellen, die sich beispielsweise so unterstützen, dass zu thematisch passenden Prozessen auch Sachverständige als Gastzuhörer eingeladen werden um die Denkweise von Richtern und Gerichten transparenter zu machen und das Verständnis zu verbessern.

Qualität im Bauen und Baukultur kann nur dort entstehen wo Menschen miteinander verständlich umgehen.

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Dr. Reinhard Pfeiffer

Stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München

Was haben Baustellen und die BAU als Weltleitmesse für Architektur, Materialien und Systeme gemeinsam? Richtig, beide sind auf das funktionierende Zusammenspiel zwischen Architekten, Ingenieuren und Handwerkern angewiesen.

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Eine Baustelle, auf der eine der drei genannten Gruppen fehlt, wird voraussichtlich nie fertiggestellt. Die Messe BAU ist nur deshalb so erfolgreich, weil sie die verschiedenen Perspektiven von Architekten, Ingenieuren und Handwerkern abdeckt und somit wiederum diese Personen als Besucher anspricht.

Diesen Zusammenhang sollte man auch im Hinterkopf behalten, wenn es um die Frage geht, ob die Baukultur auf der Strecke bleibt. Die Diskussion darüber ist vermutlich so alt wie das Bauen selbst. 

Wir als Veranstalter der Weltleitmesse für Architektur, Materialien und Systeme bieten deshalb eine Plattform zum Austausch zwischen Architekten, Ingenieuren und Handwerkern, damit diese die Zukunft des Bauens gemeinsam gestalten. 

Ein Beispiel für die zukünftige Zusammenarbeit von Architekten, Ingenieuren und Handwerkern zeigt die Digitalisierung im Bauwesen. Mit den jüngsten Entwicklungen im IT-Bereich und vor allem mit BIM (Building Information Modeling) verändert sich das Planen enorm. Die architektonische Idee und der Entwurf entspringen nach wie vor der Kreativität des Architekten, Innenarchitekten und Gestalters. Die handfeste Werkplanung erfolgt dann digital und kommt Gewerke übergreifend zum Einsatz. Die Arbeit des Handwerkers ändert sich damit zwar, sein Know-how wird jedoch immer gefragt sein.

Darüber hinaus geht es beim Bauen neben der guten Gestaltung und dem guten Arrangieren von Materialien zunehmend um komplexe Tragwerke, leichte Konstruktionen und hoch technologisierte Bauteile. Für Architekten und Ingenieure werden zukünftig die digitalen Planungswerkzeuge hilfreich sein, mit denen sich Daten direkt in individuell gefertigte Bauteile übersetzen lassen.

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Benedict Esche

Baukünstler und Rompreisträger, München

Dieselbe Sprache sprechen. Wie es der Bauhaus-Gründer Walter Gropius 1919 forderte: „Wir müssen zum Handwerk zurück“ und es damit umfassend beschrieb. Der italienische Bauhistoriker Vittorio Magnago Lampugnani zielte mit seiner Schrift „Die Modernität des Dauerhaften.

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Essays zu Stadt, Architektur und Design“ auf eine ähnliche Rückbesinnung auf vorindustrielle Werte und Methoden. Wir brauchen uns. Auf Augenhöhe, immer wertschätzend und ohne Diskussionen und Hierachien, wer oder was nun zu erst käme und vermeintlich wichtiger sei. Architekten und Handwerker müssen heute mehr denn je zu einer gemeinsamen Sprache finden, gemeinsam Aufgaben und Lösungen finden und diese positiv gestalten. Dabei geht es auch um Verantwortungen in einem partizipativen Bauverständnis. Architekt und Handwerker gestalten in anderen Maßstäben. Lässt man sich darauf ein, entstehen wundervolle Potenziale. Eigene Impulse und neue Möglichkeiten.

Auf der Baustelle sind wir wie alle Architekten über alle Altersschichten hinweg im Vergleich zu den Jahrzehnten auf dem Bau geschulten Handwerkern keine Experten. Versteht und akzeptiert man das, fällt einem vieles leichter. Es geht vielmehr darum, eine gewisse Idee und konstruktive Ausformulierung zu definieren und dann in Gesprächen die ausführenden Gewerke diese auch wieder zu hinterfragen und prüfen zu lassen, bis man auf eine gute und sinnhaftige Lösung kommt. Wir müssen dieselbe Sprache sprechen. Das verstehe ich unter kollektiven oder kommunikativen Arbeiten. Es geht dabei auch zunächst um hierachielose Diskussionen und Fachgespräche mit Bauherren, Kollegen und dann schliesslich Handwerkern. mit denen es dann gilt. effiziente Lösungen zu definieren, die dann auch umgesetzt werden können. 

Dieses Arbeiten schafft eine Architektur des Dialogs und damit die Möglichkeit, als Architekten die Verbindung über unsere Arbeit zu den Bauherren, Investoren und in die Gesellschaft zu tragen. Es geht heute mehr denn je darum, Menschen für Architektur zu begeistern. Dafür zu brennen. Etwas zu lieben. Denn Architektur gestaltet Raum. Dabei geht es auch darum, das Handwerk und den Handwerker zu begeistern und gemeinsam mit ihm an der Aufgabe zu wachsen.

Gerne erinnere ich mich an die fast kindliche und reine Freude auf Baustellen über das Setzen von Zapfen in Balken oder die eben nicht auf 15 cm, sondern auf 17 cm gesetzten Steckdosen. Ich denke an wilde Konstruktionen der Dachbalken oder das liebevoll genannte „Zaubern“ mit irrwitzig dünnen Trennwänden. Ein Steinmetz, der mehrfach nach Italien fuhr, um mit uns den richtigen Marmor auszuwählen oder ein Elektromeister, der sich noch mit 70 Jahren mit der Thematik des Smarthomes auseinandersetzt und diese schliesslich auch umsetzt und die Elektrokabel in sauberer, fast kunstvoll anmutender Art sorgfälltig verlegte.

Besteht die Aufgabe als Architekt nicht darin, Ideen zu setzen und Hypothesen aufzustellen, die dann in gemeinsamen Diskussionen in der Realisierung auch widerlegt werden können und sich möglicherweise damit auch als Idee nicht halten lassen? Heisst das nicht, Themen gemeinsam zu setzen und unsere Sprache weiterzuentwickeln? Ein Eingang kann eine Tür sein, oder ein Tor oder ein Portal und hat damit einen ganz anderen Charakter, obwohl sie den selben Zweck erfüllt. Im Detail und in der Vielfalt der Materialitäten und deren charakteristischen und auch baulichen Eigenschaften ist es ähnlich. Es gibt große Möglichkeiten, wenn wir darüber anfangen zu sprechen. 

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