11. April 2016

Architektenkammer – so nötig wie nie zuvor?

Architekten brauchen eine starke Vertretung, die sich für die Interessen der Baukultur und der Architekten gegenüber der Politik, der Industrie, den Bauherren, den Banken durchsetzt.
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Engagement für die Zukunft des Architektenberufs: Andreas Emminger, Lydia Haack, Karlheinz Beer, Georg Brechensbauer, Walter Landherr. (v. l. n. r., Foto: Leonie Baumeister)

Karlheinz Beer, Architekt und Landesvorsitzender BDA Bayern. Spitzenkandidat für die Präsidentschaft der Bayerischen Architektenkammer

Architektenkammern haben die existenziellen Rahmenbedingungen des Berufsstandes zu sichern und fortzuentwickeln. Durch sie wird nicht nur der Verbraucherschutz gewährleistet und die Baukultur unser Heimat gefördert, sondern auch die Exportfähigkeit bayerischer Architektur und Stadtplanung gestärkt. An der Schnittstelle zwischen Politik und Kultur ist eine dynamische, moderne Kammer unverzichtbar.

Architektur braucht mehr denn je eine positive, gestärkte Mittelstandspolitik! Wir stehen – wie auch andere Berufsstände – vor der Herausforderung, die für den Berufsstand charakteristischen kleinteiligen Bürostrukturen in Zukunft zu sichern und die Übernahme des Berufsstandes der Architektinnen und Architekten durch eine anonyme Bauindustrie zu verhindern. Gesellschaften mit einem gesunden Mittelstand und sehr gut ausgebildeten Kleinbetrieben sind extrem handlungsfähig, innovativ und wirtschaftlich erfolgreich. Auch deshalb müssen wir Strukturen erhalten, die ein wirtschaftliches Arbeiten als Architektin oder Architekt erlaubt. Und dafür sorgen, dass unsere Aus- und Fortbildung auf höchstem Niveau stattfindet und die industriegesteuerten Vorgaben von Normen hinterfragt werden.

Die Kammern haben es allerdings versäumt, rechtzeitig für ein Höchstmaß an Qualität in Aus- und Fortbildung einzutreten. Hier werden wir verlorenes Terrain wieder zurückzugewinnen müssen. Gerade in Bayern stehen die Chancen gut, dies mit Unterstützung durch die Politik zu erreichen. Hier gibt es das Bewusstsein, dass ein erfolgreiches Bundesland nur dauerhaft erfolgreich bleibt, wenn Aus- und Fortbildung erstklassig sind. Darauf müssen wir aufbauen und umfassend in den nächsten Jahren entsprechende Regelungen durchsetzen.
Der BDA Bayern will daher der Arbeit der Bayerischen Architektenkammer eine neue Richtung geben.

Unsere Gesellschaft braucht gerade jetzt eine berufsständische Vertretung, die die Politik fordert und nicht nur Gesetze umsetzt. Wir müssen für unseren Beruf die Richtlinien mitgestalten. Klare Positionen, energisches Handeln, Konsequenz und Glaubwürdigkeit sind die Leitlinien, nach denen wir unseren Einsatz für die Zukunft des Berufsstandes ausrichten.
Ich bin überzeugt, dass der Erfolg unseres Engagements in der Kammer durch die Verteilung der Aufgaben, das Vertrauen in das Handeln der jeweiligen Personen und die offene Kommunikation erheblich zu steigern ist. Die Bayerische Architektenkammer braucht wieder Ausdruckskraft und Reputation bei der Durchsetzung von Baukultur gerade unter den aktuellen ökonomischen und ökologischen Rahmenbedingungen.
Mein Team und ich stehen für eine aktive Kammer, die sich vehement für die Interessen aller planenden Kolleginnen und Kollegen einsetzt. Wir wollen die Weichen neu stellen. Dabei setzen wir auf die enge Zusammenarbeit mit allen Verbänden und auf wegweisende Allianzen – für unsere gemeinsamen Ziele.

Ein Gedanke zu „Architektenkammer – so nötig wie nie zuvor?“

  1. Natürlich brauchen wir die Kammer, um unsere Interessen effektiv nach außen besser zu vertreten, als das unsere sonstigen Berufsverbände oder gar wir selber hinbekommen. Frage ist nur: Schafft Sie das auch?

    Dafür ein Beispiel aus dem Verhältnis des Staates zum Planungshonorar, mal als Frage:

    Was hat unsere Kammer jemals getan, um der fachlich völlig unsinnigen Minderung der Planungsqualität in Projekten der Bayerischen Städtebauförderung zu bekämpfen? In der von MD Dipl.-Ing. Univ. Helmut Schütz (langjähriger 1. Vizepräsident, Vorstand Bayerische Ingenieurkammer-Bau!) unterzeichneten „Städtebauförderungsrichtlinien – StBauFR“ findet sich: „5.2 Nebenkostenpauschale: Soweit Baunebenkosten anfallen, sind diese grundsätzlich mit bis zu 16 % der förderfähigen Kostengruppen pauschal anzusetzen; bei umfangreichen Modernisierungen sind Zuschläge bis zu 5 % möglich.“

    Das kann die HOAI-Gegebenheiten für die Gebäudeplanung, Bestandsaufnahme sowie den Fachplanungen für Vermessung, Bauphysik, Tragwerk und Haustechnik nicht annähernd decken. Minderleistungen und den Planungsaufwand minimierende, nicht produktneutrale Ausschreibungen seitens gewerblicher Unternehmen können die Folge sein. Die Finanzierungspläne der Städtebauförderung sind nämlich insbesonders bei privaten Vorhaben oft genug so gestrickt, daß die nach HOAI anfallenden Leistungen, die über der Pauschale anfallen, vom Bauherrn nicht gedeckt werden können. In den entsprechenden Richtlinien in z.B. NRW findet sich solcher Unsinn nicht.

    Vielleicht ein Thema für den BDA?

    Konrad Fischer
    Architekt
    Hochstadt am Main

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test 10

Prof. Andreas Emminger

Architekt, Nürnberg, Regensburg

Die Architektenkammer übernimmt wesentliche öffentliche Ordnungsfunktionen wie die Überwachung der Erfüllung beruflicher Pflichten durch ihre Mitglieder oder die Sorge für deren berufliche Fort- und Weiterbildung.

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Viele der Aufgaben werden durch ehrenamtlich tätige Kammermitglieder erledigt, die damit das zuständige Staatministerium des Innern, das sich auf seine Rolle als Rechtsaufsicht beschränken kann, in hohem Maße entlasten.
Die Kammer ist gerade aufgrund der Kombination von staatlicher Regulierung und demokratisch gewählter, mitgliederbasierter Struktur ein Ort des steten gestaltenden Vordenkens bei anstehenden gesellschaftlichen Veränderungen. Es versteht sich von selbst, dass die Kammern deshalb den Vertretern von Partikularinteressen und des ungezügelten Profitwesens ein Dorn im Auge sind. Es ist schon fast zum Normalfall geworden, dass diese Vertreter immer im Schatten großer Ereignisse die Durchsetzung ihrer undurchsichtigen Interessen betreiben. Dem muss sich eine starke Kammer entgegenstellen und dafür gebührt ihr jede Unterstützung, aus dem Berufsstand wie aus der Öffentlichkeit.

Prof. Andreas Meck

Architekt, München

In Zeiten nationaler und internationaler Anfechtungen unseres Berufsstandes braucht es eine starke berufsständische Kammervertretung.

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Ich halte es dabei für außerordentlich wichtig, dass die Kammer nicht nur den Berufsstand sichert und verwaltet, sondern aktiv am Verständnis für die besondere Bedeutung und die Leistungen unseres Berufstandes für die Qualität unserer gebauten Lebenswelt mitwirkt. Wertschätzung und Respekt für unsere Arbeit sind gefragt.

Jörg Heiler

Architekt und Stadtplaner, Kempten

Man merkt es jetzt wieder an der aktuellen Situation, in der es um ein neues Zuhause für Menschen geht, die vor Elend flüchten. Sind Architektinnen und Städteplaner hier gefragt? Als Dienstleister am Ende schon. Am Anfang als kreative Köpfe eigentlich nicht.

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Köpfe, die hier neue Räume erfinden anstatt reflexartig neu zu bauen.

Der Philosoph Michael Hirsch hat kürzlich beim BDA gesagt: „Kreatives Potential wird durch kapitalistische Zwänge verhindert.“ Potential, auch von Architekten, das der Gesellschaft fehlt. Höchste Zeit, das zu ändern.
Gemeinsam – in und mit der Kammer.

Michael Ziller

Architekt und Stadtplaner, München

Die Architektenkammer soll ein starkes Netzwerk auch für die jungen Kollegen und die kleinen Strukturen sein.

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Denn: Mut zum Experiment und zur Innovation kommt gerade von Freischaffenden und jungen/kleinen Strukturen, die erkenntnisgetrieben statt finanzgetrieben sind, und ein langfristiges und modernes Interesse an Baukultur haben: Bauqualität für die reale Welt, in der wir leben – und die virtuelle Treffen erst ermöglicht.

Innenansicht der Kammer und Außenansicht der Mitglieder müssen sich dauerhaft decken, dann fühlen wir uns als Mitglieder von unserer Kammer kraftvoll vertreten. Das ist Ziel des BDA.

Marion Linke

Stadtplanerin und Landschaftsplanerin, Landshut

Unsere Kammer – die Architektenkammer – ist für die Qualitätssicherung bei Planungen und Bauwerken ein wesentlicher Garant. Insbesondere auch das Bemühen um regelmäßige Fortbildung der Mitglieder und die Formulierung von fachlichen Standards, z. B.

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in der Berufspraxis der Berufsanfänger in Form der Eintragungsvoraussetzungen, sind wesentliche Aufgabenfelder der Architektenkammer. Die Kammer ist für den Berufsstand und die Bewältigung der fortschreitend komplexer werdenden Planungsaufgaben in der Architektur, Landschafts- und Innenarchitektur sowie Stadtplanung von äußerster Bedeutung, da sie auch den interdisziplinären Austausch unter Kollegen fördert.

Johannes Berschneider

Architekt und Innenarchitekt, Pilsach bei Neumarkt in der Oberpfalz

Als regional tätiger und im Ehrenamt aktiver Architekt stelle ich fest, dass die Arbeit der Kammer für die jungen Architekten unverzichtbar ist. Sie müssen abgeholt, mitgenommen und dazu motiviert werden, sich für die Belange ihres Berufsstandes einzusetzen.

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Ihr Sinn für Politik muss geschärft werden, auch für Berufs- und Standespolitik. Sie sollen durch die Kammer betreut und an sie gebunden werden.

Eine wichtige Aufgabe der Architektenkammer sehe ich darin, die Architektur in die Fläche zu bringen, Öffentlichkeitsarbeit ist ein ganz wichtiges Thema. Die Treffpunkte Architektur der Bayerischen Architektenkammer in den bayerischen Bezirken bieten eine Chance, sich den verschiedensten Gruppierungen und Verbänden weiter zu öffnen. Die Zusammenarbeit mit den Berufsverbänden soll gestärkt werden.

Prof. Lydia Haack

Architektin und Stadtplanerin, München

Unsere Kammer – die Architektenkammer – ist für die Qualitätssicherung im Planungs- und Bauwesen ein wesentlicher Garant. Neben der Überwachung der beruflichen Pflichten übernimmt sie vielerlei wesentliche Funktionen.

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Das stete Angebot zur beruflichen Fort- und Weiterbildung, die Formulierung, Fortschreibung und Evaluierung von fachlichen Standards, wie auch den interdisziplinären Austausch unter Kollegen. Alles wesentliche Beiträge um unserem Berufsstand die Bewältigung der fortschreitend komplexer werdenden Planungsaufgaben in der Architektur, Landschafts- und Innenarchitektur sowie Stadtplanung zu ermöglichen. Je aktiver wir uns als Kammermitglieder hierzu engagieren, desto einflussreicher gestalten wir unsere berufliche Zukunft!

Prof. Ingrid Burgstaller

Architektin und Stadtplanerin, München

Die bayerische Baukultur wird von der noch großen Vielfalt der Bürostrukturen befruchtet. Allerdings leben wir in einer Zeit, in der alle Bereiche unseres Lebens erfasst, quantifiziert, gerankt, juristisch und prozessual vereinheitlicht und ausgewertet werden.

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Diese Daten bestimmen zunehmend den Marktzugang. Nicht nur bei den Architekten führt dies zur Verdrängung kleiner Bürostrukturen. Der Aufbau neuer Büros – in der Regel durch junge KollegINNen – ist kaum mehr möglich.

Deswegen ist eine starke Kammer mit Vertreten, die wissen, wie mit Verstand, Intelligenz und Kreativität den Herausforderungen unserer Zeit begegnet werden muss, dringend notwendig.

Anne Hugues

Architektin, München

Wir haben keine andere Interessensvertretung als die Architektenkammer, die Gesetze und Verordnungen unbedingt aktiv mit gestalteten sollte – nicht nur umsetzen.

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Ihre juristische Form als Körperschaft des
öffentlichen Rechts nicht als Unterordnung zu verstehen ist die einzige Möglichkeit, unsere berufsständischen Interessen in der politischen Landschaft wirksam zu vertreten und Baukultur statt Wirtschaftszwänge einzufordern.

Ebenso ist eine laufende aktuelle (Um-)Gestaltung von Informations- und Beratungsaufgabenerforderlich,
u.a. um mit der Weiterbildung ihrer Mitglieder unsere fachliche Qualifikation und berufliche Kompetenz eindeutig zu positionieren. All das zu gestalten, obliegt dem Vorstand, welcher aus  dem Kommunikationsforum der jetzt zu wählenden Vertreterversammlung herausgebildet wird, mit Unterstützung von Arbeitskreisen und Ausschüssen. Entsprechendes Engagement und beruflich unterschiedliche Erfahrungen unserer Vertreter auf verschiedensten Ebenen tragen zur notwendigen breiten Aufstellung bei.

Jakob Oberpriller

Architekt und Stadtplaner, Regierungsbaumeister und Energieberater, Hörmannsdorf

Architekten nehmen als freier Berufsstand eine hohe gesellschaftliche Verantwortung wahr.

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Die von Architekten erbrachten, gemeinwohlorientierten Leistungen und das Streben nach höchster Qualität sind nur durch geistige Entscheidungsfreiheit und eigenverantwortliches, unabhängiges Handeln möglich.

Gegenwärtige Tendenzen der Vereinheitlichung, der immer stärker und umfassender werdenden europaweiten Regulierungen schränken diese Unabhängigkeit immer weiter ein. Mächtige Großstrukturen, wie die Bauindustrie, dominieren die Normenausschüsse und beschränken mit ihren monopolisierten – weil bauaufsichtlich zugelassenen – Produkten die Gestaltungsmöglichkeiten. Eine weitere Gefahr für die Unabhängigkeit und die zentrale Stellung des Architekten im Planungs- und Bauprozess droht durch neue Planungsstandards wie das digitalisierte Gebäudemodell (BIM). Bereits jetzt besteht eine unauflösbare Abhängigkeit von den digitalen Werkzeugen und deren regelmäßigen Updates.

Die überwiegend in kleinen Bürostrukturen organisierten Architekten können hier kein adäquates Gegengewicht bieten. Nur durch Einigkeit und eine starke Berufsvertretung besteht die Chance, dass unser Berufsstand auch in Zukunft seinen Beitrag für die Gesellschaft leisten kann.