Hubert Juranek

Architekt und Fotograf, München

„Architektur ist Harmonie und Einklang aller Teile, die so erreicht wird, dass nichts weggenommen, zugefügt oder verändert werden könnte, ohne das Ganze zu zerstören“, so Leon Battista Alberti. Bereits Anfang des 15. Jahrhunderts beschäftigte sich Alberti mit den zentralen Fragen, die in Anbetracht der aktuellen städtebauliche Diskussion des „bayerischen Gesichts“ keinesfalls an Aktualität verloren haben. Im Gegenteil.

Sehen wir uns das München von heute an. Das Zentrum des Freistaates. Welches Gesicht haben wir vor Augen? Und welches wünschen wir uns zu sehen? Ist es ein potemkinsches Dorf, oder vielmehr die Perfektion der Urbanität? Die Frage ist: Was möchten wir sehen – als Investor, Architekt, oder gar Nutzer – angesichts eines Stadtbildes, das neuerdings von einer inflationären Repetition von links nach rechts, oben wie unten geprägt zu sein scheint. Ist es eine gesichtslose Stadt, die wir erschaffen möchten? Identitätslos in ihrer Makellosigkeit und Gleichförmigkeit? Entdeckungsarm und banal? Und möchten wir uns für dieses Endergebnis verantwortlich zeigen, es leidglich den direkten Protagonisten zur Last zu legen, oder vielmehr auch jedem mündigen Bürger, der nicht aufschreit, der nicht den Wahlzettel hebt und mit seiner Stimme eingreift? Die Bürgerrechte sind Pflicht und Verantwortung. Wer schweigt, stimmt zu.

Architektur überdauert länger als eine Handygeneration, sie wird nicht so schnell gepresst wie ein altes Auto, das unsere Straßen schmückte. Wir sind in der Pflicht mit Architektur Heimat zu erzeugen, die Identität schafft und die durch Entfernung das Ganze zerstören würde. Leben wir für das Ganze, stellen wir die Fragen die uns nach vorne bringen.

Die Fotografien werfen somit Fragen auf, die verschiedene Antworten zu Tage fördern. Es ist der Zwang hinzusehen, es entsteht ein voyeuristisches Gefühl. Die Bilder sind Vorspann, Hauptteil und Nachruf zugleich. Was bleibt, sind Fragen.