23. Januar 2017

Bauen mit jungen Architekten – eine Chance für unsere Zukunft?

Häuser entwerfen, Bauwerke gestalten: Bis man als Architekt mit spannenden Bauaufgaben beauftragt wird, muss man einen langen Atem haben. Know-how und Gestaltungswille einer neuen Architektengeneration findet kaum Resonanz. Es bedarf des politischen Willens und geeigneter Rahmenbedingungen, um dem Nachwuchs eine Chance zu geben.
Sanierung historisches Stadl, Kneitling von Zitzelsberger Architektur/Stadtplanung, Max Otto Zitzelsberger, München, Foto: Schels/Pk-Odessa

Prof. Lydia Haack
Architektin und Landesvorsitzende BDA Bayern

Dass Architekten in ihrer beruflichen Existenz viele Einschränkungen auf sich nehmen ist eher die Regel und weniger die Ausnahme. Lange Arbeitszeiten, niedrige Gehaltsstruktur und hohe Haftung prägen den beruflichen Alltag. Obgleich die Nachteile im Vergleich zu anderen Berufen bekannt sind, ist das Studium der Architektur attraktiv und Architekt auch heute noch ein Traumberuf für viele junge Akademiker. Das dem so ist, liegt an der Förderung des kreativen, konzeptionellen Arbeitens und der Suche nach Lösungen zu komplexen Aufgabenstellungen, die nicht zwingend vorbestimmt sind. Das Studium fördert kreative Persönlichkeiten, die mit uneingeschränktem Optimismus etwas verändern und bewegen wollen.

Das Potential an schöpferischer Kraft, die Aufgeschlossenheit für innovative Lösungsansätze, hohe Leistungsbereitschaft und die Weitergabe des profunden Wissen erfahrener Kollegen war stets eine solide Grundlage für die Entwicklung zeitgemäßer Architekturkonzepte. Besonders im Wettstreit der Ideen bei konkurrierenden Verfahren im Rahmen eines bewährten, generationenübergreifenden Wettbewerbssystems zeigt sich oftmals, wie Nachwuchs oder auch ‚vermeintliche Außenseiter’ an der Erneuerung wie auch der Kontinuität in der Architektur teilhaben und so zur Sicherung eines hohen Standards an Baukultur beitragen.

Die Historie zeigt, dass es oftmals jene ‚Unerfahrenen’ waren, die mit großartigen und preiswürdigen Lösungen überzeugten und so gelegentlich auch ‚erfahrene Büros’ auf den zweiten Platz verwiesen. Über den erzielten Wettbewerbsgewinn war dann auch der Einstieg in die Selbstständigkeit möglich, denn der Nachweis für das Können war somit auch ohne ein Referenzobjekt erbracht. Diese Aufgeschlossenheit gegenüber den ‚Nicht-Etablierten’ schwindet und besonders die ‚Jugend’ scheint unserer Gesellschaft zu riskant zu sein.

Junge Büros, talentierte Newcomer, aber auch kleine Bürostrukturen erhalten kaum noch Chancen, an öffentlichen Wettbewerben teilzunehmen. Oder sie scheiden in Vergabeverfahren von vorherein aus, da sie die geforderten Nachweise nicht erbringen können. Da aber der Anteil kleinerer Bürostrukturen mit bis zu vier Mitarbeitern ca. 85% aller Architekturbüros in Deutschland ausmacht, zeigt sich, wie unhaltbar dieser Zustand ist. Kaum jemand auf der Ausloberseite scheint ernsthafte Bedenken gegen diese heute praktizierte, baukulturell kontraproduktive und wettbewerbsfeindliche Ausschreibungspraxis zu hegen. Obgleich damit für den Auslober ein Verlust an kreativem Potential für seine Aufgabenstellung einhergeht.

Die Wettbewerbsstatistik der Bundesarchitektenkammer verzeichnet 2014 insgesamt lediglich 379 Wettbewerbe in Deutschland, Tendenz abnehmend. Und fast alle Wettbewerbe werden in Deutschland nur noch als Verfahren mit begrenzter Teilnehmerzahl ausgelobt.

Die Konsequenz ist fatal. Ein über lange Jahre hin etabliertes Verfahren, in dem allein die architektonische Qualität im Vordergrund der Vergabeentscheidung stand, wird entwertet. In Auswahlverfahren werden ‚harte Fakten’ herangezogen: quantitative Aspekte (beispielsweise Bilanzen, Mitarbeiterzahlen, Erklärungen über Gesamtumsätze und Versicherungspolicen sowie Referenzlisten mit bereits abgeschlossenen vergleichbaren Leistungen) fließen überproportional in die Bewertung ein. Dem gegenüber stehen nur gering gewichtete Aussagen zur entwurflichen und baulichen Qualität. Freilich gibt es immer wieder löbliche Ausnahmen. Bei der überwiegenden Mehrheit der Ausschreibungen erfolgt jedoch eine systematische Aufstellung von Zulassungsbeschränkungen, die den Teilnehmerkreis bereits im Vorfeld auf wenige und meist große Büros begrenzt.

Die Folge: An Stelle der Konkurrenz der Ideen, tritt so die Konkurrenz der Etablierten.

Ist das der richtige Weg in Zeiten, in denen Antworten auf maßgebliche Herausforderungen gesucht werden müssen, wie beispielsweise die Bevölkerungsentwicklung, der Mangel an Wohnraum für unzählige Menschen, Klimawandel und Ressourcenverknappung? Sicherlich nicht.

Das bereitwillige Angebot unseres Berufsstand, ob jung oder alt, sich im Wettbewerb, häufig unbezahlt und auf eigenes Risiko (!) zu beteiligen, stellt einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag für die Zukunftsfähigkeit und Attraktivität unseres Landes dar. Ein Angebot, dass offenbar schwer zu vermitteln ist und von dem viel zu wenig Gebrauch gemacht wird.
Die deutschlandweite Statistik zeigt, dass das Verständnis für qualitätsorientierte Verfahren in Bayern noch am ehesten vorhanden ist. Über ein Viertel aller deutschlandweit ausgelobten Wettbewerbe werden in Bayern ausgetragen. Dies kommt zuweilen auch unserem beruflichen Nachwuchs zugute, wie der „max40-Preis“ für junge Architekten zeigt.

Der BDA Architekturpreis „max40 – Junge Architekten“ macht das Potential junger Architekten und die Qualität der Architektur junger Büros sichtbar. Er macht darauf aufmerksam, wie trotz geringer Berufserfahrung mit großer Professionalität kreative, kluge und angemessene Lösungsansätze umgesetzt wurden. Mit Kompetenz und Umsicht in Planung und Ausführung entstanden Projekte von hoher Qualität in funktionaler, räumlicher und ästhetischer Hinsicht gleichermaßen. Zum Wohle der Bauherren, der Nutzer und letztendlich unserer Baukultur.

Er zeigt aber auch, welche Potenziale ungenutzt bleiben oder verloren gehen, wenn junge Architekten nicht unterstützt werden, in ihren wertvollen Beiträgen und in ihrer Selbständigkeit als Nachwuchs für den Berufsstand und den Mittelstand in unserer Gesellschaft. Zumal zu befürchten ist, dass sich vor dem Hintergrund anstehender Gesetzesveränderungen, die Lage für die Architektur insgesamt nicht verbessern wird. Es müssen alle Anstrengungen unternommen werden, um diesen Einschränkungen entgegen zu treten und dabei den Nachwuchs an jungen Architekten, mit seinen Erwartungen an die Zukunft einzubeziehen. Es gilt die uneingeschränkte generationenübergreifende Chancengleichheit zu bewahren, die Ausdruck unserer freien Gesellschaft ist.

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Wir danken unseren Partnern:
 
     

Peter Cachola Schmal

Direktor Deutsches Architekturmuseum, Frankfurt am Main

Bauen mit jungen Architekten – die einzige Chance für unsere Zukunft ! Wo sind sie denn heute, die jungen Gerkans und Margs – die als Neulinge einen Wettbewerb für einen Flughafen gewinnen und beauftragt werden?

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Es kann sie heute leider bei uns nicht mehr geben, denn wir haben unser früher vorbildliches Wettbewerbssystem, das den Berufsanfang ermöglichte, so transformiert, das es eben nicht der künftigen, sondern der aktiven Generation hilft. Ich bin überzeugt, dass die Erfindung dieser VOF-Verfahren nicht ohne Hintergedanken geschah. Eingeführt wurden sie in Folge des Aufbau Ost und der notwendigen Beschleunigung der öffentlichen Vergaben. Im Moment stabilisieren diese zugangsbeschränkenden Verfahren die Auftragslage der etablierten Büros, doch auf längere Sicht zerstören sie die Grundlagen unserer architektonischen Kultur, denn sie schließen Anfänger systematisch aus. Ohne Nachwuchs wird es aber keine Erneuerung, keine Infragestellung von eingeübten Prozessen, keine Innovationen, also keine Zukunft für die Architektur in Deutschland geben können.

Bis auf bekannte Ausnahmen wurden Innovationen in der Architektur immer von Berufsanfängern ausgelöst, selten von arrivierten Architekten. Das liegt in der Natur der Dinge begründet. Heute sind unsere Macher im Alter zwischen 45 und 60 Jahren überzeugt, dass sie mit genügend Nachwuchskräften in ihren Wettbewerbsabteilungen weiterhin die entscheidenden Entwicklungen in der Zukunft anstoßen werden. Eine andere Selbsteinschätzung wäre auch verwunderlich. Aber das Silicon Valley zeigt, dass die dortigen wesentlich jüngeren digitalen Natives dabei sind, ganz andere Zukunften zu erschaffen. „Your children …. live in the House of Tomorrow, …. ,“ wie es Khalil Gibrain drastisch formulierte. Die prädigital Aufgewachsenen und Ausgebildeten (geboren vor etwa 1970) werden nicht das Haus von Morgen erschaffen, sondern mit viel Glück und noch mehr Einsatz daran partizipieren.

Finnland hat uns gezeigt, dass ein offenes und faires Wettbewerbssystem, das den Gewinner selbstverständlich beauftragt, auch heute noch funktionieren kann. Die Finnen haben auf die Weise ihren architektonischen Nachwuchs herangezogen und bauen ihr System stetig aus. Büros können sich früh formieren und expandieren bereits in einem Alter von unter 40 Jahren ins Ausland. In Belgien wurde die Institution der Staatsbaumeister eingeführt, die alle öffentlichen Aufträge in offenen Wettbewerben vergeben und gezielt junge Architekten mit kleinen Aufgaben versehen. Belgiens Architekturszene, besonders die flämische, hat davon ungemein profitiert und weist eine Vielzahl junger Büros mit erstaunlichen Bauerfahrungen auf. Finnland und Belgien gelten vielen heute in Europa als Quell architektonischer Innovation.

Wir sollten sie als Vorbild nehmen und von ihren guten Erfahrungen lernen und uns trauen, eigene Fehler zu erkennen und zu korrigieren. Es geht nicht nur um die Chancen des Nachwuchses, sondern um nicht weniger als die Zukunft unserer Architektur. Es geht um Alles!

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Max Zitzelsberger

Architekt, München

Als junger Architekt in Deutschland geht man aktuell einen sehr steinigen Weg. Es gibt nicht viele, die das anders sehen. Es wäre so einfach an dieser Stelle über die Vergabepraxis zu wettern. Denn in der Tat ist da ein Verbesserungsbedarf anzumelden.

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Dennoch ist die Vergabepraxis nicht die einzige und auch nicht die unüberwindbarste Hürde. Der eigentliche Grund, warum man sich als junger Gestalter der baulichen Umwelt so schwer tut, liegt viel tiefer.
Mittlerweile kann ich einige Anfragen sowohl von privaten als auch von öffentlichen Bauherren verzeichnen. Für die meisten Aufgaben bin ich jedoch nicht der geeignete Mann. Die allgemeine Vorstellung des Bauens, so scheint es mir, beschäftigt sich zu gerne mit der Technik. Da wird schon beim ersten Termin die Heizung angesprochen, eine künstliche Lüftungsanlage oder die Dichtigkeit der Fenster. Dann besteht oft von meiner Seite aus noch die Hoffnung, dass sich das Gesprächsthema in den anderen Sitzungen ändern wird. Doch weit gefehlt. Für viele Bauherren bleibt die technische Ausstattung das relevante Thema. Über „Architektur“ wollen wirklich nur ganz wenige sprechen. Und das sind dann am Ende auch meine Bauherren.

Baukultur lebt von Innovation und nicht von Wiederholung und Stillstand. Dennoch wollen viele Bauherren gar nicht architektonisch, sondern technisch innovativ sein.

Ihnen fehlt nicht der Mut, sondern das Interesse. Die Liebe zum Technischen, Faktischen und damit auch Berechenbaren scheint mir im internationalen Vergleich schon ein spezifisch deutsches Problem zu sein.
Auf der einen Seite bedarf es sicher des politischen Willens und auch geeigneter Rahmenbedingungen, um dem Nachwuchs eine Chance zu geben. Auf der anderen Seite braucht es einen Kulturwandel, um dieses Denkmodell technischer Pedanterie endlich zu durchbrechen.

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Prof. Dr.-Ing. Hartmut Niederwöhrmeier

Architekt und Stadtplaner, Nürnberg

Junge Architekten sind heute nach dem globalen Standard UNESCO/UIA Charter for Architectural Education umfassend und zeitgemäß gebildet. Sie sind teamorientiert, weltgewandt und beherrschen die neuen Medien ebenso wie Strategien im generalistischen Beruf.

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Eine auf das 5-jährige Studium folgende 2-jährige Praxis deckt offene Bildungsbereiche ab. Schon mit den ersten Projekten leisten sie hervorragende Beiträge zur Baukultur (max40 – junge architekten; AKJAA).

Man könnte sich um die junge Generation weniger sorgen, wären da nicht Entwicklungen, die diesen Impetus nach Entwicklung von zukunftsfähigen Ideen ausbremsen. Die Öffnung des Bildungsraums geht einher mit der Öffnung des Binnenmarkts und damit der Vergabe öffentlicher Aufträge. Der offene, regionale Architektenwettbewerb ist von der Bildfläche verschwunden. Der Planungswettbewerb ist heute dem Verhandlungsverfahren vorgelagert. Dort entfaltet er nach wie vor für den Auftraggeber alle Vorzüge. Der Verordnungsgeber betont zwar den Grundsatz der Angemessenheit von Eignungskriterien gerade im Blick auf kleinere Büroorganisationen und Berufsanfänger, aber dennoch sind Hürden entstanden, wo sie abgebaut werden sollten. Die Entscheidung, an einem Verfahren teilzunehmen, weil man einen qualifizierten Beitrag leisten möchte – gerade als junger Architekt – motiviert und mit frischen Ideen -, muss durch ein Filterwerk gehen, das nur noch hemmt. Sind wir nicht gar selbst als „freier“ Berufsstand die Akteure, die hier die Weichen stellen?

Ein weiterer Aspekt: die Wettbewerbsleistungen haben sich zunehmend hochgeschraubt. Sie gehen weit über das „Erarbeiten eines Planungskonzepts“ hinaus, zeigen eher eine Entwurfsplanung, die zudem durch fachlich Beteiligte weiter konkretisiert wird. Das ist nicht der Sinn eines Architektenwettbewerbs. Von einer deutlichen Unterschreitung der Mindestsätze spricht hier keiner. Um das Potential der jungen Generation zu nutzen, müssen wir einen Weg finden, den Architektenwettbewerb neu zu definieren. In Sachen Vergabeverordnung lässt sich das Rad sicher nicht zurückdrehen. Mögen die Etablierten in Ketten tanzen, die jungen Architekten müssen ihre Ideen in einem freien Raum beitragen können. Wäre es ein Weg, der VgV-konformen Vergabe von Architektenleistungen, bei der ein vorgelagerter Planungswettbewerb durchgeführt werden soll, einen offenen (auch regionalen) Architektenwettbewerb klassischer Prägung vorzuschalten, um somit den Kreis der gesetzten Teilnehmer zu finden? Wir öffnen den Denkraum und ebnen den Weg für Ideen, Utopien und Entwicklungen, die so zeitig in den tendenziell innovationshemmend angelegten, reglementierten Vergabeprozess einfließen könnten.

Es geht nicht an, dass der Berufsstand in kleine, junge, mittelgroße, erfahrene usw. klassifizierte Büros zerlegt wird und dann wie auf dem Jahrmarkt der Lostopf entscheidet. Wir brauchen Solidarität und Vertrauen – dann wird Baukultur zu einem gemeinsamen Anliegen aller Generationen – chancengleich, qualitätsorientiert und ganz im Sinne dessen, was den „Freien Beruf“ auszeichnet.

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Christoph von Oefele

Architekt, München

Wer baut, baut immer auch mit jungen Architekten. Rein quantitativ werden sehr viele Architekten ausgebildet und viele dieser Architekten arbeiten dann auch in Architekturbüros. Sie bringen in jedem Fall wertvolle Impulse mit.

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Wenn es aber um die Frage geht welche Chance junge Architekten heute haben sich selbständig zu machen, damit auch etwas Neues wachsen kann, sieht die Frage anders aus. Man fängt immer klein an, aber haben kleine Büros generell noch eine Chance oder eine Perspektive? Gerade bei Wettbewerben? Die Rahmenbedingungen bei Wettbewerbsverfahren mit ihren geforderten Referenzen und Nachweisen weisen eindeutig in Richtung größerer Bürostrukturen.

Mir kommt da immer die Landwirtschaft in den Sinn:

Industriemilch oder Bergbauernmilch? Bei der Viehwirtschaft geht die Entwicklung genauso in Richtung der Großbetriebe. Beide Produktionsarten haben die Erzeugung von Lebensmitteln zum Ziel. Bei beiden gibt es aber einen etwas unterschiedlichen Ansatz:
Im einen Fall homogenisiert, industriell optimiert und entsprechend preisgünstig. Im anderen Fall etwas teurer dafür im Zusammenspiel von Mensch, Vieh und Natur ganzheitlicher. Beide Arten von Milch sind grundsätzlich trinkbar. Preis, Qualität und Auswirkung des Produkts sind aber sehr unterschiedlich.

Am Ende entscheidet immer der Kunde. Wozu greifen Sie? Industriemilch oder Bergbauernmilch.

Aus meiner Sicht werden beide Produkte ihre Abnehmer finden. Das ist heute nicht anders als früher. Wichtig ist eher, dass beide Produkte im Regal stehen und der Kunde sich möglichst bewusst ist, was seine Kaufentscheidung für ihn selbst und seine Umwelt auslöst.

Was könnte man also konkret tun, um jungen und kleinen Büros eine Perspektive zu eröffnen?

Kaum eines dieser Büros kann bei Wettbewerbsbewerbungen nachweisen, den möglichst gleichen Bautyp wie angefragt in den letzten drei oder fünf Jahren mehrfach gebaut zu haben… Eine Möglichkeit wäre es, wenn Wettbewerbs- oder Architekturpreise bei der Bewerbung zur Teilnahme an interessanten Architekturwettbewerben als JOKER gleichwertig für fehlende Referenzprojekte eingesetzt werden dürfen.
Das würde zunächst die Preise selbst wichtiger machen und damit auch indirekt das Bemühen um Qualität stärken. Und wer auf diese Weise Qualität nachweisen kann, sollte dann auch das Vertrauen entgegengebracht bekommen, sich an anspruchsvollen Aufgaben zu versuchen. Erst Talent und Übung machen den Meister.

Gebt ambitionierten kleinen und jungen Büros eine Chance, damit wieder etwas Neues wachsen kann. Es wäre schade wenn am Ende nur noch homogenisierte Industriemilch im Regal steht.

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Stephan Rauch

Architekt, München

Schon in der Fragestellung des Themas steckt viel Brisanz.

Denn – Zukunft und vor allem ihre Gestaltung, ist doch eines, wenn nicht sogar das wichtigste Thema unserer und jeder Gesellschaft, insbesondere gebaute Umwelt und damit die große Verantwortung für zukünftige Generationen.

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Gesellschaft und Architektur sind also untrennbar miteinander verwoben, weswegen die Fragestellung nicht zuletzt auch eine gesellschaftliche ist.

Ein Stillstand in der Weitergabe planerischer Verantwortung führt zu einer ablesbaren Stagnation. Da stecken wir mittendrin. Was nicht von etablierten und anerkannten Büros umgesetzt wird, fällt baukulturell hinten ab, ökonomische Aspekte allein bestimmen. Und das ist mittlerweile ziemlich viel. Deutschland, gesichtsloses Shoppingcenter und Wärmedämmverbundsystem, ach ja, nicht zu vergessen das Toskanahaus und Flächenfraß.

Es gäbe also mehr als genug Aufgaben für junge Architekten mit frischen Ideen mitzuwirken, zu gestalten und zu beraten. Natürlich wäre dies eine Chance für die Zukunft.

Aber, die oben skizzierte Realität macht eine Schere zwischen Gesellschaft und Architekten deutlich. Was können wir also tun, um diese wichtigen Positionen wieder so zu vereinen, dass auch für junge Architekten Aufgaben möglich werden und Baukultur mit Gesellschaft nicht mehr fremdelt?

Als junger Architekt sollte einem bewusst sein, das die Zeiten der Kommunikation mittels Plan und Modell allein endgültig vorbei sind. Er sollte auf sich aufmerksam machen und zwar über die eigene Szene hinaus. Vielleicht heißt das auch, sich bestimmte kaufmännische Attribute, am besten schon in der Ausbildung, anzueignen und Netzwerke zu bilden. Das schließt ein Talent für niveauvolle Entwürfe ja in keiner Weise aus.

Das die gebaute Umwelt auch ein Spiegel der Gesellschaft ist, dementsprechend sich dort auch viele aktuelle Strömungen ablesen lassen, darin sollten wir alle – besonders in der aktuellen politischen Lage – eine Chance sehen. Auftraggeber haben hier die Möglichkeit, auch bei kleinen Projekten, Haltung und Werte zu demonstrieren.

Wieso also nicht mit einem jungen Architekten? Der unverbrauchte Esprit wird es rechtfertigen. Und wenn für ein Projekt zu wenig Erfahrung da ist, genug erfahrene Kollegen gibt es ja, mit denen gemeinsam der Erfolg gesichert werden kann. Ein maßvolles Ego vorausgesetzt.

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Alexander Tochtermann
Philipp Wündrich

Architekten, München

Ist das Bauen mit jungen Architekten eine Chance für unsere Zukunft? Wir möchten versuchen, diese Frage ernst zu nehmen und uns durch Betrachtung drei abstrakter und konkreter Szenarien einer Antwort anzunähern.

Man stelle sich eine einsame Insel mitten im Meer vor.

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Ein Bewohner spricht mit den 199 anderen und manchmal oder auch immer öfter mit sich selbst. Sie reproduzieren sich physisch und kulturell.

Soeben kommen wir von den Feierlichkeiten des „Bauwelt-Preises“ zurück. Er zeichnet international die besten ersten Werke junger Architekten aus. Unter 327 Einreichungen befanden sich 50% Einfamilienhäuser und 95% private Bauten. Das war nicht immer so, denn seit der ersten Preisauslobung steigt die Anzahl der privaten Auftraggeber exponentiell.

Momentan bauen wir eine alte Käsefabrik in ein Ausstellungs- und Atelierhaus um. Wir haben uns mit den Bauherren darauf geeinigt, mitten im Allgäu eine massiv gegossene Rampe aus 85 m³ gefärbtem Beton vor den neuen Eingang zu bauen. Die beiden sind bereit, einen essentiellen finanziellen Aufwand zu leisten, um einen essentiellen kulturellen Mehrwert zu erzeugen.

Eine kurze Reflektion dieser drei Szenarien könnte zu folgenden Gedanken führen: Zunächst glauben wir nicht, dass die abgelegene Insel jemals eine Zukunft hatte oder haben wird. Um sich von dem Bild der Insel zu entfernen, benötigt es eine Vielfalt an architektonischen Impulsen. Des Weiteren glauben wir, dass, wenn Baukultur einen gesellschaftlichen Mehrwert hat, dieser nicht nur von privaten Auftraggebern ausgehen sollte. Und darüber hinaus glauben wir, dass es den Mut braucht, etwas zu wollen.

In der Konsequenz könnte man also vielleicht einfach fragen: Gibt es eine Zukunft ohne junge Architekten.

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Michael Mackenrodt

Vorstandsvorsitzender wettbewerbsinitiative e.V., Berlin

Eine interessante Frage, deren leise Ironie aber bereits durch die ansonsten verbleibende Alternative „Bauen mit alten Architekten – eine Chance für unsere Zukunft?“ deutlich wird.

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Es liegt natürlich in der Natur (besser gesagt in der Biologie) der Sache, dass der Nachwuchs irgendwann einmal nachrücken muss, damit die Entwicklung überhaupt weitergeführt werden kann. Die eigentliche Frage scheint mir daher eher, „wann“ ist dafür der geeignete Zeitpunkt und – angesichts der gegenwärtigen Praxis – „warum“ das Nachrücken von Newcomern eigentlich gerade in unserem Beruf so schlecht funktioniert?

Während in den meisten Berufen viel öfters die Frage gestellt wird, „wie alt darf man sein, um den Beruf noch erfolgsversprechend ausüben zu können?“, ist in unserer Profession offensichtlich genau das Gegenteil relevant. Dies ist faktisch aber nur z.T. begründet und wenn man genau hinschaut, fragt auch keine einzige Ausschreibung nach dem Alter des Bewerbers. Dennoch liegt der Kern natürlich genau dort, denn alle anderen Fragen gegenwärtig üblicher Vergabeverfahren zielen indirekt darauf ab. Die vielen Hürden bis zu einem Auftrag „sieben“, z.B. über den Nachweis früher realisierter Referenzen, früherer Umsatzzahlen, früherer Mitarbeiterzahlen etc.,  alle Newcomer meist bereits im Bewerbungsverfahren – also schon im Vorfeld der Verfahren – nahezu vollständig ab. Das eigentliche „Findungs- und Entscheidungsverfahren“ der Auftragsvergabe läuft dadurch also schon ohne sie ab.

Die geeignetere Alternative, also der Wettstreit von projektbezogenen Vorschlägen für die jeweils konkrete Aufgabenstellung, ist hingegen nur noch ein Nischenprodukt. Das Mittel „Planungswettbewerb“ wird vom Gesetzgeber dabei zwar weiterhin vehement als bestes Mittel für eine Vergabe empfohlen, aber sowohl in der VgV als auch in der UvgO wird dieser Weg immer noch nicht verbindlich definiert. Da dem Gesetzgeber die Tendenz zur Abweichung von seinen „unverbindlichen Empfehlungen“ aus der VOF-Vergangenheit natürlich bekannt war, ist die erneute Unverbindlichkeit bei der Verfahrenswahl schon verwunderlich. Die Entscheidung für faire Vergaben wird damit also weiterhin in die Verantwortung der exekutiven Stellen übertragen.

Das Abschieben auf Versäumnisse anderer wird der Sache aber nicht gerecht. Die Lösung der gegenwärtigen Problematik liegt zu weiten Teilen bei uns selbst – insbesondere da die VgV die letztendliche Entscheidung zur angemessenen Einbindung von Newcomern durch die Wahlfreiheit der „Tools“ auch zu weiten Teilen an unseren eigenen Berufstand zurücküberwiesen hat. Entscheidend ist daher ebenfalls das kritische Hinterfragen jedes Einzelnen, „ob“ und bei „welcher Aufgabe“ eine Öffnung für den Nachwuchs möglich ist.

Natürlich fällt es schwer vom eigenen Terrain wieder etwas abzugeben – insbesondere wenn die demographische Entwicklung und die daraus entstehenden Engpässe im Markt dem entgehen stehen – dennoch verlangt es m. E. gerade die Verantwortung unseres Berufsstandes, genau dafür bei jeder Gelegenheit einzutreten. Sollte dies nicht erfolgen, würde der gegenwärtige Stillstand durch in sich abgeschlossene Märkte nur weiter zementiert und damit in der Folge auch die baukulturelle Entwicklung blockiert. Da insbesondere aber unsere Profession durch das Planen der „Umwelt“ einen hohen Einfluss auf die Allgemeinheit ausübt, muss unsere jeweilige Entscheidung „pro oder contra Newcomern“ auch sehr viel gewissenhafter als in allen anderen Berufen erfolgen. Wenn wir diese Verantwortung erkennen, ist es im Grunde nur noch ein kleiner Schritt im alltäglichen Geschehen für die jeweils möglichen Änderungen einzutreten.

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Prof. Christian Kern

Architekt, München

Natürlich sind junge ArchitektInnen eine Chance für unsere Zukunft. Wie könnte es anders sein? Die Alten und Mittelalten können es ja nicht alleine, schon aus biologischen Gründen.

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Deshalb bildet die Gesellschaft mit ihren Hochschulen aus und die Büros stellen sie bei der momentanen Konjunktur gerne ein. Die Frage stellt sich aber in Bezug auf „selbständige“ junge ArchitektenInnen, also Gründer. Da scheint es, in meiner Wahrnehmung, doch weniger Nachkommende mit eigenen Büros zu geben. Warum?

Die Vergabepraxis und die Zugänglichkeit zu Wettbewerben ist sicherlich ein Problem, aber ist sie so anders geworden? Das gleiche gilt für das Vertrauen privater Bauherren. Es ist schwierig, die ersten Aufgaben zu bekommen, aber die Situation wurde schon 1943 in dem Roman „The Fountainhead“ von Ayn Rand beschrieben.

Was bleibt also als Möglichkeit zur Gründung? Zum einen offene Wettbewerbe, beschränkte Wettbewerbe, bei denen junge Büros berücksichtigt werden müssen, Beziehungen und Glück. Dem Glück in Wettbewerben muss man eine Chance geben und das ist auch eine Frage der Motivation. Hier steht die Selbstausbeutung auf der einen Seite (- Ich habe es so nie empfunden, es ist einfach meine Profession -) und die „work-live-balance“ auf der anderen. Vielleicht führt die im Vergleich momentan sehr gute Situation der jungen ArchitektInnen als Angestellte zu einer gewissen Trägheit. Mehr Freizeit ist ein wichtiges Thema für junge MitarbeiterInnen, das ist legitim. Zu Gründern in diesem überkomplexen Aufgabenfeld wird man so nicht.
Spürt man dagegen den Wunsch und den Drang in eigener Verantwortlichkeit zu entwerfen und zu realisieren, sollte Engagement kein Problem sein. Geht der Weg über die wenigen zugänglichen Wettbewerbe, möchte ich ein paar Hinweise aus meiner Erfahrung geben:

Wettbewerbsabteilungen in renommierten Büros sind Durchlauferhitzer und furchtbar anstrengend, man lernt aber sehr viel: konzeptionell, strategisch und in Bezug auf Effizienz. Nach Möglichkeit versuchen, für eine gewisse Zeit in einer solchen Abteilung mitzuarbeiten.

An eigenen Wettbewerben teilzunehmen wird bei Angestellten nicht gerne gesehen, es ist neben einer vollen Stelle auch nur schwer machbar. Eine gewisse finanzielle Grundversorgung und eine vom Zeitaufwand begrenzte Tätigkeit ist daher von Vorteil. Viele Gründer aus meiner Generation waren daher Assistenten an einer Hochschule.

Mit KollegInnen starten, mit denen man einen gemeinsamen Hintergrund und Interessen teilt. Hat man eine gemeinsame Basis, werden über Austausch und Diskussion die Entwurfsbeiträge in der Regel besser. Gibt es diese nicht, werden die Reibungsverluste zu groß.

An den europaweiten „Europan-Wettbewerben“ teilnehmen: http://www.europan.de. Dieser Hinweis ist mir ein besonderes Anliegen, weil wir mit einer daraus resultierenden Beauftragung unser Büro gründen konnten und ich in diesem Netzwerk verankert bin. Auch wenn viele Standorte, anders als in meinem Fall, keine direkte Realisierungschance haben, entstehen wichtige Kontakte zu Bauherren oder Kommunen, die oft zu weiteren Wettbewerbsteilnahmen bzw. Einladungen oder auch Studien etc. führen. Über die internationalen und nationalen Foren, die Ausstellungen der Ergebnisse und die Publikationen findet für die TeilnehmerInnen eine Auseinandersetzung mit Problemstellungen und Lösungsansätzen aus verschiedenen europäischen Blickwinkeln statt. Diese Erfahrung ist sehr wertvoll und kann ein Alleinstellungsmerkmal sein.

Auch wenn junge Büros immer auch Konkurrenz sind freue ich mich, wenn diese sich etablieren. Sie sind eine Herausforderung, die motiviert. Ihre Ansätze und Sichtweisen sind schon im Sinne einer sich stetig weiterentwickelnden Baukultur, die sich mit aktuellen Problemstellungen auseinandersetzt, nicht nur Chance sondern Notwendigkeit.

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Thomas Mühlender

Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr, Sachgebiet IIC6, München

Aus Sicht der staatlichen Städtebauförderung ein ganz klares JA – und zwar für alle: für den Staat, für die Gemeinden und ihre Bürger, aber natürlich ebenso für die jungen Architekten selbst.

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Bei der Städtebauförderung beraten wir die Gemeinden bei Fragen ihrer städtebaulichen Weiterentwicklung und arbeiten dabei eng mit Architekten und Stadtplanern zusammen. Gerade weil wir auch von den kreativen Ideen der jungen Architekten profitieren wollen und wissen, dass die Bürgermeister als Auftraggeber deren Herangehensweise an eine Planung schätzen, empfehlen wir den Gemeinden, einen Architektenwettbewerb durchzuführen und dazu junge Büros einzuladen.

So ist zum Beispiel die oberfränkische Gemeinde Gundelsheim vorgegangen. Für die Sanierung und den Umbau eines ortsbildprägenden Wohnhauses zu einer Bücherei und die Belebung durch neue Wohnbauten in der Ortsmitte hat die Gemeinde im letzten Jahr einen Ideen- und Realisierungswettbewerb durchgeführt. Vier der sechs eingeladenen Büros gehören zu den „jungen Architekten“. Erwartet wurde eine modellhafte Sanierung, die Vorbild für vergleichbare städtebauliche Fördermaßnahmen sein soll. Den ersten Preis hat ein junges Schweinfurter Büro gewonnen. Die Maßnahme wird 2017 realisiert.

Dieses Projekt in Gundelsheim zeigt beispielhaft unser Angebot der Städtebauförderung an junge Architekten: Es gibt unzählige leerstehende Gebäude, vor allem im ländlichen Raum, die wir beleben können. Dabei geht es nicht in erster Linie um die bedeutenden Denkmäler, sondern um die unscheinbaren, ungenutzten Häuser, die leider häufig einfach abgerissen werden. Hier gegenzusteuern, den Baubestand zu erhalten und wieder zu nutzen – das ist unsere Aufgabe in der Städtebauförderung, die gleichzeitig eine Chance für junge Architekten ist zu zeigen, wie sie diese Aufgabe umsetzen würden. Die Zukunft liegt darin, leerstehende Gebäude zu sanieren, umzubauen, umzugestalten. Wir brauchen nicht immer alles neu, groß und teuer, sondern es reicht oft auch klein und günstig.

Städtebauförderung heißt nicht nur ein einzelnes Gebäude zu sanieren, sondern auch das Umfeld einzubinden und zu gestalten. Die Planungen der Städtebauförderung prägen ganze Ortskerne, über Generationen hinweg. Die Planer müssen deshalb ein Gespür für das Leben im Ort entwickeln, müssen sich Gedanken machen, mit welchen Nutzungen Gebäude, Plätze und Straßenzüge zu lebendigen Räumen werden. Sie müssen in Kontakt mit den Bürgern stehen und präsent sein. Die Gemeinden erwarten von ihren Auftragnehmern, dass sie sich mit ihren Themen vor Ort auseinandersetzen, Ideen entwickeln, die sie gemeinsam umsetzen.

Bauen im Bestand ist für alle Beteiligten eine große Herausforderung, auch finanziell. Aber es ist unsere Aufgabe, sich mit dem Bestehenden auseinanderzusetzen, mit den über Jahrhunderten gewachsenen Orten. Und deshalb gibt es von Seiten des Staates dafür auch finanzielle Unterstützung durch die Städtebauförderung. Neben der Unterstützung von staatlicher Seite bekommen die Planer aber auch Rückhalt durch die Menschen vor Ort, die sich mit ihrer Heimat identifizieren. Gute Arbeit spricht sich rum, bei staatlichen Behörden wie zum Beispiel den Bewilligungsstellen der Städtebauförderung, bei anderen Gemeinden und auch bei den Bürgern.

Ich kann junge Kolleginnen und Kollegen nur dazu ermuntern, sich nicht nur auf die Arbeit in großen Städten zu konzentrieren, sondern auch zu schauen, wie man in kleineren Orten abseits der Großräume an Aufträge kommt, bei der Weiterentwicklung des Vorhandenen.

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Prof. Ludwig Wappner

Architekt und Stadtplaner, München

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Es ist schon irgendwie mit einer gewissen Tragik behaftet, wenn man diese in den letzten Jahren in der interessierten Öffentlichkeit, an den Hochschulen und Universitäten und in Berufsverbänden in allen Facetten beleuchtete und intensiv diskutierte Frage, selbst noch in Zeiten einer ausgeprägten Hochkonjunktur im Bauen als Debattenthema stellen muss. Warum eigentlich besteht für den wunderbaren Beruf des Architekten nach einer fundierten akademischen Ausbildung und den sicher notwendigen Lehr- und Wanderjahren eine derart hohe Hürde, seine Fähigkeiten, seine Neugierde am kreativen Tun und seinen gesellschaftsrelevanten Optimismus auch schon als jüngerer Architekt-in dieser Gesellschaft zur Verfügung stellen zu dürfen, ohne stetig gegen überzogene und unverhältnismäßige Eignungskriterien, ausgeprägtes Bedenkenträgertum und andere Erschwernisse ankämpfen zu müssen? Eröffnet man diese Diskussion unter Gleichgesinnten gibt es schnell immer vielfältigste Antworten und Erklärungen, oft komplizierte Gedankenspiele und komplexe Verbesserungsvorschläge. Alleine was spürbar fehlt sind die tatsächlichen Angebote und Anreize aller öffentlichen und privaten Auftraggeber für die junge Generation von Architekten-innen, welche die nachweislich vorhandenen Qualitäten dieser kreativen und gut ausgebildeten jungen Menschen ganz unverkrampft in Anspruch nehmen.

Diese leider sehr evidente Ignoranz kann sich unsere Gesellschaft eigentlich auch in Zeiten von massiven Defiziten beim Wohnungs- und Bildungsbau einfach nicht mehr erlauben, da muss notfalls auch politischer Wille den notwendigen Handlungsspielraum ebnen, damit wir nicht ersticken in einem kreativen Stillstand unseres schönen Architektenberufs. Wo stünden heute denn viele der etablierten Büros zu denen sich der Verfasser mit seinen Partnern auch zählen darf, wenn man Ihnen nicht schon in zu Beginn Ihrer freischaffenden Tätigkeit als wirklich noch junge Architekten das notwendige Vertrauen und die fachliche Qualifikation zugestanden hätte, einen Wettbewerbsgewinn auch für ein größeres Gebäude, zu dem man noch ohne völlig überzogene Eignungskriterien zugelassen wurde, dann auch tatsächlich planen und realisieren zu können? Den vielen jungen Architekten-innen können einfach nur tatsächlich spürbare und positiv messbare Ergebnisse und Rahmenbedingungen in der Vergabepraxis, im Wettbewerbswesen und im Auftragsverhalten der Auftraggeber helfen, diese in den letzten Jahren künstlich aufgebauten Hürden abzubauen und nicht noch weiter zu erhöhen. Kein anderer akademischer Berufsstand in Deutschland hat aktuell derartige Erklärungsnöte gegenüber seinem gut ausgebildeten Nachwuchs, warum man diesem eigentlich in jungen Jahren so wenig zutraut.

Beispielhaft sei hier zum wiederholten Male auf die spürbaren Veränderungen des in Deutschland über Jahrzehnte hochgehaltenen und einzigartigen Wettbewerbswesen verwiesen, welches nach wie vor ein extrem spannendes, faszinierendes und auch belohnendes Angebot für Teilnehmer, für Juroren und in erster Linie vor allem für die öffentlichen und vermehrt privaten Auslober darstellt, vorausgesetzt alle sehen diesen kreativen Wettstreit der Ideen und Konzepte weniger als lästige Verpflichtung, sondern in erster Linie als großartige Offerte unseres Berufsstandes zur Lösung unterschiedlichster Bauaufgaben.

Auslober und hier gerade die öffentlichen brauchen einfach wieder mehr Offenheit und Vertrauen im Hinblick auf die Potentiale und Kompetenzen ihnen unbekannter und junger Architekten. Dies auch geschuldet der Tatsache, dass private Bauherren häufiger mit erfahrenen und schon etablierten Büros arbeiten wollen und in der Regel weniger bereit sind, sich bei Wettbewerben auf unbekannte und jüngere Büros einzulassen.
Junge, innovative und kleinere Büros mit bester Ausbildung haben kaum noch eine Chance bei den geforderten Qualifizierungskriterien zu punkten und somit nicht einmal eine Chance zum Mitmachen bei einem Wettbewerb. Dies kann eigentlich nur durch einen fairen und offenen Wettbewerb bei öffentlichen Bauaufgaben durchbrochen werden.

Dafür müssen die Architektenkammern und Berufsverbände im Sinne unserer Baukultur entschieden kämpfen, so hart und dornenreich dieser Weg auch ist.

Anreichern kann man diese Diskussion auch beim Lesen der aktuellen Bauwelt „zum ersten Haus“ junger oder weniger junger Architekten-innen. Wiederum viele qualitativ sehr gute Einreichungen, aber bei genauem Hinsehen muss man wie die Jahre zuvor leider feststellen, dass kaum Projekte resultierend aus Wettbewerben oder öffentlichen Aufträgen dabei waren, obwohl gerade derzeit die Themen Wohnen und Bildung ein gewaltiges Potential für den Berufsstand anbieten.

Die meisten Projekte resultieren wieder einmal aus kreativen Eigeninitiativen und glücklichen Fügungen mit offenen Bauherren.

So offensichtlich dürfen die Zukunftsperspektiven unseres Berufstandes gerade für die vielen jungen Architekt-innen nicht weiter eingeschränkt werden. Es lohnt sich daher auch speziell im BDA und in den Kammern weiterhin auf allen Ebenen für eine weniger eingeschränkte Berufsausübung zu kämpfen.

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Dr. Irene Meissner

Architektin, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Kuratorin, München

Der Blick auf die Geschichte zeigt, dass es meist private Kontakte oder der Gewinn eines Wettbewerbs sind, die jungen Architekten die Möglichkeit bieten, ihr Erstlingswerk auszuführen.

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Als Walter Gropius 1910 im Alter von 27 Jahren sein eigenes Architekturbüro eröffnete, erhielt er auf Grund familiärer Beziehungen den Auftrag für eine Schuhleistenfabrik in Alfeld an der Leine. Ihm gelang, ohne Studienabschluss, ein Geniestreich: das Faguswerk mit der gläsernen Ecklösung wurde zu einer der Inkunabeln moderner Architektur und hat heute UNESCO-Welterbe-Status.

Der 33jährige Renzo Piano und der 36jährige Richard Rogers hingegen überzeugten 1970 beim Wettbewerb für das Centre Pompidou in Paris und beide erhielten, ohne dass auch sie große Bauerfahrung vorweisen konnten, die Chance, eine völlig neuartige Museumsmaschine, einen der größten und renommiertesten damaligen Bauaufträge Frankreichs, zu realisieren. Ähnlich wurde der Gewinn des Wettbewerbs für den Flughafen Tegel 1965 mit einem wegweisenden Verkehrskonzept für zwei gerade diplomierte 29 und 30jährige Architekten zum Ausgangspunkt für die Weltkarriere von gmp. Dies sind jedoch die großen Ausnahmen in der Architektur.

Jungen Architekten eine Chance zu geben, war nach dem Zweiten Weltkrieg auch ein zentrales Anliegen des Bundes Deutscher Architekten und insbesondere des damaligen BDA-Präsidenten Otto Bartning. Anlässlich seines 70. Geburtstages wurde 1953 die „Otto Bartning-Stiftung für Baukunst und bildende Künste“ zur Förderung des Nachwuchses gegründet. Um auf der Interbau 1957 in Berlin, dem Demonstrationsbauvorhaben der jungen Bundesrepublik für neue Wohnformen, auch den Nachwuchs zu Wort kommen zu lassen, lobte die Stiftung einen Studentenwettbewerb zur Frage des künftigen „Familienwohnens“ aus. Der Wettbewerb bot angehenden Architekten die ungewöhnliche Chance, auf der Bauausstellung den ersten eigenen Bau, ein kleines Einfamilienhaus, auszuführen. Einer der beiden Gewinner, Günter Hönow (1923–2001), der kurz vor dem Schlussexamen an der Hochschule für bildende Künste Berlin stand, konnte dann tatsächlich in unmittelbarer Nachbarschaft berühmter Architekten wie Oscar Niemeyer, Arne Jacobsen, Sep Ruf oder Paul Baumgarten ein kleines Einfamilienhaus realisieren. Der Entwurf des zweiten Gewinners, Werner Fauser (Technische Hochschule München) kam hingegen nicht zur Ausführung, sein Beitrag wurde aber zumindest ausführlich publiziert.

Für Hönow wie für Fauser bedeutete die große Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit, die der Interbau zu Teil wurde, eine wertvolle Hilfestellung für ihren Berufseinstieg. Der seit 2016 von den Landesverbänden Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland gemeinsam ausgelobte BDA-Architekturpreis „max40“ ist ein hoffnungsvolles Zeichen in diese Richtung, um der Öffentlichkeit Potenziale junger Architekten aufzuzeigen. Es gilt diese zu nutzen und die Architekten bei der Realisierung zu unterstützen. Gerade im Hinblick darauf, dass auf der Welt circa zwei Milliarden Kinder und Jugendliche leben, für die in den nächsten Jahren neuer Wohn- und Lebensraum geschaffen werden muss, wäre es sinnvoll und angebracht, von der heranwachsenden Architektengeneration Lösungen für künftige Wohnkonzepte erarbeiten und dann auch bauen zu lassen.

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Stefan Schlicht

Architekt, Schweinfurt

Man könnte nun näher auf die neue Vergabeordnung eingehen, deren Inhalte und Veränderungen zum bis zuletzt gültigen VOF-Verfahren vergleichen.

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Wir werden unter anderem feststellen, dass für jüngere und kleinere Büros die eine oder andere Verbesserungen hinsichtlich des gleichberechtigten Zugangs zu den Vergabeverfahren erzielt werden konnte. Dennoch werden wir an dieser Stelle allein damit nicht weiter kommen.

So lassen Sie uns neugierig sein, wie die Vergabeordnung künftig von öffentlichen Auftraggebern bis auf die Ebene der Gemeinden angewendet wird. Für junge Architekten und junge Büros gilt es, weitere Wege und individuelle Lösungsansätze zu suchen. Was können junge Architekten für sich selbst tun?

Vielleicht auch ein persönlicher Erfahrungsbericht. Beginnend mit der Ausbildung an der Hochschule. Reflektiert man sich als junger Absolvent im Beruf, so wird man größtenteils feststellen, dass die vergangenen Jahre der Ausbildung wenig praxisbezogen gewesen sind. Je nach eigenem Vorlieben steht der Entwurf doch sehr im Vordergrund, Basiswissen bleibt größtenteils auf der Strecke. Man hat dies im Studium gar nicht so wahrgenommen. Im Berufsleben angekommen fühlt man sich mitunter doch sehr unsicher im geforderten Leistungsspektrums des so geliebten und erlernten Berufes.

Prägend für die eigene Zukunft sind vielleicht auch die ersten Anlaufstellen, die ersten Berufserfahrungen. Soll es ein großes, ein bekanntes Büro mit einer Struktur untergliedert nach Aufgabengebieten sein? Es besteht die Gefahr in einer Leistungsphase hängen zu bleiben, sich nach Jahren umzudrehen und festzustellen, dass einem im Decken- oder Fliesenspiegel zeichnen so schnell keiner etwas vormachen kann. Hat man Glück, landet man in einem anderen Aufgabengebiet, entwickelt beispielsweise Konzepte mit, ist an der Entscheidungsfindung beteiligt oder erhält zumindest einen bereichernden Einblick.

Vielleicht wagt man die ersten Schritte in einem kleineren Büro, einer Struktur mit der Möglichkeit, alle Leistungsbereiche des Architektendaseins kennenzulernen. Sich in den einzelnen Projektphasen mit erfahrenen Kollegen auszutauschen, den Bauherren, die Entscheidungsträger bei den Regierungen und Landratsämtern, Mitarbeiter in den Kommunen, ja, so wichtige Ansprechpartner persönlich kennen zu lernen und gemeinsam ein Projekt voranzubringen. Und nicht zuletzt die Handwerksbetriebe, sich auch hier gegenseitig auszutauschen und voneinander zu lernen. All dies ist im Hinblick auf eine eigens angestrebte Selbständigkeit von unschätzbarem Wert. Persönlich konnte ich alle diese Erfahrungen geniessen, wofür ich sehr dankbar bin.

Das Netzwerk aus den ersten Jahren der Berufserfahrung erschien wertvoll und so wagt man den Schritt. Ein eigenes Büro. Und jetzt? Begonnen hat es mit dem festen Vorsatz, dem Bauherren offen zu begegnen, ihm zuzuhören, Vertrauen zu gewinnen, Wünsche und Gewohnheiten zu respektieren und einen gemeinsamen Weg zu gehen. Ein Weg, der dem Bauherren oftmals ungewohnt und neu vorkommt.

Bezugnehmend auf das Thema „Bauen mit jungen Architekten“ ist das genau die Chance für die Auftraggeber. Die Kolleginnen und Kollegen sind mutig und kreativ, innovativ und engagiert, experimentierfreudig und leidenschaftlich, leider oftmals zu Lasten der Wirtschaftlichkeit ihrer eigenen Büros.

Die junge Generation steht für das Miteinander, die gegenseitige Wertschätzung. Wir als Architekten bauen für die Menschen, für die Nutzer und nicht für uns selbst. Unsere Aufgabe ist es, in die „richtige“ Richtung zu lenken, ohne Qualität und Nachhaltigkeit aus den Augen zu verlieren, verbunden mit der Hoffnung, zusammen mit dem Bauherren einen individuellen Beitrag zur Baukultur zu leisten. Beginnt dies bereits mit der kleinsten Bauaufgabe, führt es vielleicht, wenn es an der Zeit ist, zu Bauaufgaben, von denen man anfangs vielleicht träumt, jedoch nicht erwartet.

Ein letzter Wunsch an die Entscheidungsträger und Auftraggeber. Von den Obersten Baubehörden, die Bezirksregierungen bis zu den staatlichen Bauämtern. Sie haben die Möglichkeit in den Kommunen für die jungen Büros zu werben, im direkten Kontakt zu den kommunalen Entscheidungsträgern. Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern von den Qualitäten und dem Potential zu überzeugen, Mut zu geben, neue Wege zu gehen. Vor allem Vertrauen zu schenken. Sie werden es zurückbekommen.

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Benedict Esche

Architekt, Berlin, München. Deutsche Akademie Rom Villa Massimo Stipendiat 2017/2018.

Jung sein, modern sein – was uns noch heute wie selbstverständlich über die Lippen kommt, steckt von Anfang an in zeitlogischen Nöten. Nicht umsonst forderte 1873 der französische Dichter Arthur Rimbaud in Une saison en enfer, man müsse absolut sein. Absolut modern. Absolut jung.

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Es reicht nicht aus, nur jung zu sein, denn die bloße Teilnahme an der jeweiligen Gegenwart reicht nicht aus, um diese weiter zu gestalten. Jung sein, modern sein, ist nicht auf das Alter beschränkt, sondern es ist die Gewissheit, Zeuge eines Neuanfangs zu sein. Denn: Nichts ist flüchtiger als die Zeit. Nichts ist andauernder als der Wechsel.

Architektur hat in ihrer wechselvollen Geschichte immer die Funktion eines zentralen Ortes – als Ort des selbstbestimmten Lebens zwischen Wohnen und Arbeiten. Mit eindrucksvoller Dynamik erfindet sich Architektur immer wieder neu. Für mich birgt Architektur die Chance des Rückzugsmoment, in den man sich vom Komplexitätsüberhang der „Außenwelt“ zurückzieht, zum Ort der Selbstverwirklichung – schichten-, alters-, geschlechts- und zeitübergreifend. Die neue sinnsuchende Gesellschaft fragt nach variablen und flexiblen Räumen für Kommunikation, Ernährung, Wellness, Schlafen, Erholung und Unterhaltung. Die Entwicklung der Telekommunikation verbindet Arbeit und Freizeit stärker und wird die Grenzen zwischen öffentlich und privat weiter verschieben. Intelligente Technik und neue Materialien bestimmen unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit die Ästhetik in der Architektur.

Architektur hat in Zukunft weit weniger mit Eigentum zu tun. Unser Selbst definieren wir nicht mehr mit Besitz, sondern in der Art, wie wir leben. Für mich heißt jung sein, modern sein, in einen Raum zu kommen und ihn zu füllen. Zu strahlen wie ein Kind, und neugierig sein – hungrig zu sein. Die Sprachlosigkeit zu verlieren, ergriffen sein, von seiner Aufgabe, um zu bewegen, überzeugen zu können. Begeistern zu können. In Analogien, Metaphern und Symbolen. Als Architekt habe ich mich im Dialog vom Großen ins Kleine, vom gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang über den Städtebau bis hin zu individuellen Lebensformen der Architektur anzunähern, Hemmnisse zu überwinden, um Potenziale in der Architektur noch besser zu gestalten, wie sich die Bedingungen für nachhaltige Architektur effektiver und effizienter gestalten lassen, konkret, immer wieder neue Lösungen anzudenken, Experimente zu wagen, die sich aber in das Ganze einfügen. Einheit in Vielfalt, Vielfalt in Einheit.

Es geht um Qualitäten in der Architektur, Aggregate für ideales Leben, was eine Architektur lebendig macht. Es geht auch um Unorte in der Architektur, nach Visionen oder Depressionen, Utopien oder Endstationen, des einen Ort als des anderen Unort. Dabei bleibt stets die Prämisse der Respekt vor der Kultur des anderen, das Andere zu akzeptieren, vom Anderen zu lernen und Gemeinsamkeiten zu finden. Als Voraussetzung des Miteinander.

Das Jung-Sein ist an kein Alter gefasst. Es ist vielmehr eine Haltung.

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Jan-Henrik Hafke

Architekt, Frankfurt a. M.

Es fehlt an Mut – sowohl auf Bauherrenseite als auch auf Seiten der jungen und künftigen Architekten. Anders ist es nicht zu erklären, das in einer Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs die neue Generation von Architekten lange gesucht werden muss.

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Wann, wenn nicht jetzt, wäre die richtige Gelegenheit sich selbstständig zu machen und freischaffend zu arbeiten? Aber warum gibt es so wenige junge Architekten, die diesen Schritt wagen? Ist etwa der Weg zum eigenen Werk zu beschwerlich? Wie auch immer – die fehlende Bereitschaft zur freischaffenden Tätigkeit einer jungen Generation, der Sicherheit wichtiger als vieles andere ist, alarmiert. Der Mut, zugunsten der Selbständigkeit und des eigenen Werkes ein Risiko einzugehen, ist häufig nicht vorhanden. Es fehlt an Leidenschaft und Unternehmergeist.

Auch bei der Bauherrschaft also fehlt der Mut: Kaum einer vertraut dem jungen Architekten einen großen und komplexen Auftrag an: Fehlendes Vertrauen in die junge Architektengeneration, die in der Vergabepraxis oftmals geforderten, überzogenen Eignungskriterien erschweren jungen Architektinnen den Marktzugang. Zu groß ist auch bei den Handelnden das Sicherheitsdenken beziehungsweise die Angst, für ein Scheitern Verantwortung tragen zu müssen. Sowohl die politische Kultur als auch die gesellschaftliche Stimmung sind geprägt durch die Gefälligkeit des Gewohnten und von Angst, Fehler zu machen.

Doch warum ist das so? Ein Blick in andere Branchen zeigt doch: Junge Fachkräfte beziehungsweise Führungskräfte sind gefragt, ihre Qualifikationen nutzen den Branchen zur Weiterentwicklung. Vertrauen in die „Jugend“ ist hierbei oftmals kein Problem, vielmehr wird den Jungen nicht zuletzt durch eine gute Ausbildung am „Puls der Zeit“ die Umsetzung von neuen Strategien, Arbeitsweisen oder Techniken zugetraut. Ich jedenfalls vertraue dem Oberarzt ebenso wie dem Chefarzt und steige bedenkenlos in ein Flugzeug mit jungem Piloten – sofern dieser den Mut aufbringt zu fliegen.

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Gunther Wawrik

Architekt in Wien und München, Professor für Entwerfen, Städtebau und Baukonstruktion an der Fachhochschule München 1956 – 1998

Liebe junge Architekten, 86-jährig, fühle ich mich mit Euch sehr verbunden, wenigstens mit einigen von Euch. Vieles wird hier, meiner Meinung nach, sehr richtig gesagt. Auch der Satz „das Jung-Sein ist an kein Alter gebunden“.

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Der Umgang von öffentlichen Auftraggebern mit jungen Architekten ist europaweit (?) ein Skandal und eine schreiende Ungerechtigkeit! Private Auftraggeber haben sich da zum Teil an die öffentlichen angepasst. Und es ist ein Skandal, dass Architekturbüros vornehmlich nach ihrer quantitativen technischen Leistungsfähigkeit und nicht nach ihrer architektonischen Qualifikation bei der Vergabe beurteilt werden.

Aber: Es ist eine Frage des Berufsbildes, das man anstrebt. Wer den Beruf des Architekten mit grenzenloser Leidenschaft und Bereitschaft zur Selbstausbeutung betreibt, ohne jemals die Sicherheit zu bekommen, dass sich das irgendwann einmal „lohnt“, und wer bereit ist, all die Enttäuschungen zu übernehmen, kann oder soll das jedenfalls machen. Ihn soll man unterstützen, wenn man überzeugt ist, dass er einen kulturellen Beitrag zu leisten imstande ist.

Aber ihr „jungen Architekten“, wie alt ihr sein mögt, wollt ihr Euch das wirklich antun? Wollt Ihr wirklich?
Wie der Architekt Peter Haimerl, jetzt 56-jährig (alt oder jung?), der vor einem Jahr den großen BDA Preis für die Planung des Konzerthauses in Blaibach – seinem ersten größeren öffentlichen Bau – erhielt und seither mit Ehrungen und Preisen überhäuft wird, aber heute wahrscheinlich nicht zugelassen wäre zu einem ganz einfachen Schulbauwettbewerb.

Aber vorher, schon an der Fachhochschule München Schmähungen, auch von den Kollegen erlebt hat, später auch finanziell sehr harte Zeiten mit vielen Enttäuschungen, in denen er tapfer weitergekämpft hat. Erst spät so etwas wie Belohnung für die Entbehrungen. Wollt ihr Euch das selbst wirklich antun? Dann nichts wie los! (Der Anfang kann schon der nächste kleine Umbau sein.)

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