7. März 2017

Urbane Gebiete – Ein Gewinn für das Zusammenleben im Quartier?

Im Münchner Osten entsteht mit dem Werksviertel ein neues Stadtquartier. Für München besonders: Statt Tabula Rasa werden die bestehenden Gebäude des ehemaligen Industrieareals integriert. Die bisher temporären Nutzungen, das Nachtleben, das diesen Ort in den letzten Jahren geprägt hat, werden verstetigt, neue Nutzungen kommen hinzu. Ein zeitgemäßes Nebeneinander von Wohnen, Arbeiten, Gewerbe, Industrie und Unterhaltung.

Mit der aktuellen Ergänzung der BauNVO um die neue Kategorie „Urbanes Gebiet“ soll das Leitbild der „urban gemischten Stadt“ in der Praxis besser umgesetzt werden können. Doch reicht diese Novellierung aus? Welche Stellschrauben sind essentiell, um eine vitale, kleinteilige Mischung jenseits einfacher, eindimensionaler Funktionalitäten zu fördern?

Urban, kompakt, durchgrünt, im Werksviertel entsteht ein urbanes Quartier mit Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Kultur und Freizeit. (Foto: Michael Nagy, LHM)

Johannes Ernst, Architekt, München

Weiterbauen! – Im “Werksviertel“, für welches die „Urbanen Gebiete“ als Instrumentarium leider zu spät kommen, haben wir – Steidle Architekten – versucht, das Modell der gemischten Stadt als Gegenthese zu den bislang monostrukturellen Entwicklungen unter unseren zeitgenössischen Bedingungen neu zu interpretieren.

Angelagert an den Bestand der industriellen Geschichte und Gegenwart des Ortes geht es zunächst und lange vor den architektonischen Konzepten um die Fortschreibung und Interpretation der vorhandenen, vielschichtigen Nutzungspotentiale. Die sehr erfolgreichen und expandierenden gewerblichen Betriebe (Gastrogroßhandel, Gewerbehof, Elektronikkonzern), das große Dienstleistungszentrum im Medienbereich (Media Works Munich) sowie die noch vorhandenen Potentiale der legendären Zwischennutzung durch den Kunstpark Ost sollten alle gleichwertig als Impulsgeber für das neue Areal dienen und am Ort bleiben. Als wichtigste neue Funktion sollten etwa 1000 Wohnungen samt sozialer Infrastruktur für 2500 Bewohner dazukommen, angelagert an die großen Wohnungsareale von Berg am Laim/Ramersdorf.

Die Möglichkeit der Weiterentwicklung dieser parallelen Existenzen wurde erst durch die komplexe Eigentumssituation geschaffen. Zahlreiche private Einzeleigentümer mit ihren jeweiligen Unternehmungen und Grundstücken widersetzten sich zunächst der ursprünglich vorgesehenen klassisch rationalen, „professionellen“ Immobilienentwicklung (und vor allem Immobilienverwertung) einiger anderer Eigentümer in Verbindung mit den Mechanismen der Stadtplanung: Tabula rasa, Bebauungsplan, neue Gebietskategorien, komplette Neuordnung von Grundstücken und vor allem der Verlagerung von vermeintlich störendem Gewerbe. Dann Architektenwettbewerbe und anschließend die Enttäuschung darüber, dass alles wieder furchtbar rational, abgewogen und langweilig geworden ist.

Erst das Konzept, die vorhanden inhaltlichen Potentiale zu nutzen, existente bauliche Strukturen der industriellen Vergangenheit zu reaktivieren (auch wenn sie in miserablem Zustand waren) und mit neuen Strukturen und Funktionen möglichst eng und intensiv zu überblenden, konnte alle Eigentümer begeistern und zum gemeinsamen Handeln bewegen. Die Vorstellung einer lebendigen, heterogenen Stadtstruktur war plötzlich stark genug, alle möglichen Schwierigkeiten dafür in Kauf zu nehmen, sowohl auf Eigentümer- als auch Stadtseite. Mit dem Bau der Medienbrücke hatten wir ein Beispiel für eine solche Strategie am Rand des Gebietes bereits entwickelt, somit war eine Grundlage für die Entwicklung und Vertiefung des Konzeptes bereits gegeben.

In unendlich vielen Sitzungen wurden Mischungsszenarien, Nachbarschaften, Querbeziehungen durchgespielt, wurden Eigeninteressen mit Gesamtinteressen abgewogen, wurden aufwändigste Lärmgutachten angefertigt, um die Nachbarschaft unterschiedlicher Dinge zu ermöglichen, wurde gestritten und gefeilscht. Für den Wohnungsbau haben wir als typologische Grundlage eine dichte Blocktopologie mit lebendigem öffentlichem Raum davor und ruhigen Innenzonen erarbeitet, in einer Dichte analog der urbanen Gebiete und einer Nähe zur „Altstadt“ des Quartiers wie die Gründerzeitstadt zum mittelalterlichen Kern. Im mit allen Eigentümern gemeinsam entwickelten Gestaltungsleitfaden wurden Geschosshöhen, Körnungs- und Materialvorgaben festgeschrieben. Der menschliche Maßstab sollte hier trotz aller Urbanität das Maß aller Dinge sein.

Die vier selbst definierten Nutzungskategorien Wohnen, Arbeiten, Leben (Einzelhandel, Gastronomie, Hotel, Unterhaltung, etc.) und Bewegen als Grundthemen wurden in ihren jeweiligen Bereichen maximal interpretiert. Vom klassischen Bürogebäude im internationalen Raster über die vielen gewerblichen Arbeitsplätze in den erweiterten Bestandsbetrieben bis hin zu individuellen Loftarbeitsplätzen sollen alle zeitgenössisch erforderlichen Arbeitsplatztypologien entstehen. Die weiterhin ortstypischen Zwischennutzungen durch „Instant Cities“ im Containerbau stellen einerseits günstige Mietflächen für junge Kreative (bis max.30 Jahre!) zur Verfügung, unterstützen aber vor allem die prozesshafte Entwicklungsstrategie dieses Stadtraumes.

Im Wohnungsbau entstehen neben den geförderten Wohnungen nach Münchner Modell große Mietwohnungsbereiche im Eigenbestand bis hin zur exklusiven Turmwohnung. Im Bereich „Leben“ reicht das Spektrum des Einzelhandels vom kleinen Blumenladen (in der Atelierstraße) bis zum großflächigen Quartierszentrum inklusive dem unvermeidlichen Nahversorger. Eine Reihe unterschiedlich geprägter Hotels nutzen das Programm des Ortes sowie die Lagegunst zum Ostbahnhof und damit auch zum Flughafen. Also zusammengefasst: Es entsteht ein Stück ganz normale Stadt! Und zum Schluss fügt sich dann auch noch der neue Konzertsaal als wirklich bedeutendes und herausragendes öffentliches Bauwerk in dieses urbane Gefüge ein.

Der intensive Dialog mit allen Beteiligten, unermüdliche Überzeugungsarbeit im Bereich der Eigentümer und die Entwicklung auf- und anregender Leitbilder sind die Grundlage einer Stadtentwicklung die über die derzeitigen Konzepte und Versuche hinausgeht. Im Zentrum steht jedoch der Ansatz bislang monofunktional genutzte Gebiete einer breiteren und damit wirklich urbanen Nutzung zuzuführen. Während im Bereich der Stadtplanung am Konzept der wirklich attraktiven und hochbegehrten Gründerzeitquartiere seit 1945 nicht mehr wirklich weitergearbeitet und ernsthaft geforscht wurde setzte man auf die Strategie der Entmischung. Fein säuberlich wurde das auch nur leicht störende Gewerbe aus den lebendigen Vierteln herausgetrennt, hinaus vor die Stadt in das neuerfundene Gewerbegebiet.

Resultat dieser Entmischung waren die offenen Bautypologien der Moderne mit den angemessenen Abstandsflächen und Dichten die zwar gut belichtete und mit ausreichend Freiraum versehene „hygienisch reine“ Quartiere ohne Dunkelwohnungen erzeugt haben. Es fehlt diesen Orten jedoch vollkommen der städtisch – atmosphärische Zusammenhang. Für Familien und ältere Menschen bestens geeignet konnte diese Stadtform die Wünsche und Vorstellungen der an „Stadt“ interessierten Bevölkerungsteile (auch Familien, auch Ältere, und noch viele mehr) nie wirklich befriedigen.

Eine echte Neuentwicklung der Gründerzeittypologie ließ die bisherige Form der BauNVO nicht richtig zu. Der Philosophie des Licht –Luft – Sonne Konzeptes folgend passten hier im WA weder die Dichtevorgaben noch die Abstandsflächen. Die Gebietstypen Mischgebiet bzw. Kerngebiet konnten aufgrund der vorgegebenen Nutzungsvorgaben und Mischungsanteile zwar eine gewisse bis hohe Dichte generieren, durch die erzwungene Mischung mit gewerblichem Anteil über 50% wird jedoch die dominierende städtische Wohnatmosphäre immer zurückgedrängt, es bleibt ein meist fremdes Nebeneinander.

Aus diesem „geplanten“ Defizit heraus ist der Druck auf die noch verfügbaren, gründerzeitlich geprägten Stadtbereiche ins Unermessliche gestiegen, die Effekte der Gentrifizierung müssen hier nicht weiter beschrieben werden, die Wohnungen in diesen Bereichen werden zum raren und fast unbezahlbaren Gut. Hinzu kommt der große Bedarf an neuen Wohnungen durch Zuzug, Migration und wieder steigenden Geburtenzahlen.

In diesem Zusammenhang erscheint die Einführung des „Urbanen Gebietes“ nun der richtige Baustein zu sein: Eine deutlich erhöhte Dichte im Zusammenspiel mit reduzierten Lärmwerten ermöglicht ein engeres, wirkliches Nebeneinander, vielleicht sogar ein Miteinander der unterschiedlichen Funktionen, also genau das was Stadt ausmacht: Dichte, Vielfalt und Überraschung. Mit diesem Werkzeug können wir nun eben genau jene Bereiche reurbanisieren die wir zunächst fein säuberlich getrennt haben. Machen wir damit ernst können wir uns den immensen Landschaftsverbrauch den wir über unsere neuen Großsiedlungen generieren sparen und damit vielleicht tatsächlich einmal nachhaltig und ökologisch an der Stadt weiterbauen.

Ein Gedanke zu „Urbane Gebiete – Ein Gewinn für das Zusammenleben im Quartier?“

  1. … „hochwertige Architektur“ soll auf dem Werksgelände entstehen, meint Alfred Dürr, Süddeutsche Zeitung, 21.03.2017. Besonders hervorstechen soll eine Weiterentwicklung von MVRDV des holländischen Pavillons auf der EXPO 2000 in Hannover. Aber auch ein 24-stöckiges Hochhaus von Johannes Ernst, Steidle Architekten. Hild und K Architekten sind auch dabei. Da muss aber architektonisch und städtebaulich schon noch mehr passieren.
    http://www.sueddeutsche.de/muenchen/werksviertel-das-sind-die-nachbargebaeude-des-geplanten-konzertsaals-1.3429738

Schreibe einen Kommentar

Wir danken unseren Partnern:
 
     

Dr. Barbara Hendricks

Bundesbauministerin, Berlin

 

Wohnen, Arbeiten und Freizeitgestaltung nah beieinander und nicht räumlich weit voneinander getrennt – das entspricht dem Lebensgefühl vieler Menschen.

mehr...

Die Veränderungen sind mit Händen zu greifen: Deutschland wächst. Die Einwohnerzahl und die Geburtenrate steigen. Der Zuzug in die Städte ist weiter ungebrochen. Städte bieten Arbeitsplätze, eine gute Infrastruktur und viele Möglichkeiten für die Feierabend-Zeit.

Allerdings wird der Wohnraum knapp und dadurch für viele unerschwinglich. Das Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen auf Bundesebene und viele vergleichbare Bündnisse in den Ländern und Kommunen haben große Anstrengungen unternommen, mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Der Neubautrend zeigt inzwischen klar nach oben. Aber das reicht noch immer nicht aus. Zu oft wird am tatsächlichen Bedarf vorbei gebaut.

Unsere Vision einer modernen Stadt basiert auf dem Leitbild der europäischen Stadt, so wie es in der Leipzig-Charta formuliert worden ist. Sie sieht ein Wachstum besonders nach innen und in die Höhe vor, kurze Wege, einen modernen öffentlichen Nahverkehr und Freizeitmöglichkeiten, für die man nicht bis an den Stadtrand fahren muss. Das Werksviertel in München ist ein gutes Beispiel dafür, wie Tradition und Vision der europäischen Stadt modern interpretiert werden können. Das bedeutet, das eben nicht einfach Platz gemacht wird für Neues, sondern dass das Neue aus und mit dem Alten wachsen soll. Wohnen, Leben und Arbeiten werden hier nah beieinander möglich sein und zwar für viele verschiedene Lebensentwürfe und Einkommensverhältnisse.

Ich fände es schön, wenn die Verwirklichung urbaner Lebensstile wie im Münchener Werksviertel zukünftig auch in anderen Orten und Stadtteilen möglich wird. Mit der neuen Baugebietskategorie „Urbane Gebiete“ wollen wir den Kommunen ein Instrument an die Hand geben, mit dem sie insbesondere in innerstädtischen Gebieten eine nutzungsgemischte Stadt mit kurzen Wegen ermöglichen können. Wichtig ist: Die Kommunen sollen die neuen Instrumente nach ihrem Bedarf nutzen können, nicht nutzen müssen.

In urbanen Gebieten soll ein um 3 Dezibel erhöhter Immissionsrichtwert zugunsten der gewünschten Nutzungsmischung gelten. Außerdem wollen wir zum Beispiel von vornherein eine höhere Bebauungsdichte ermöglichen. Lücken können geschlossen und Dachaufstockungen möglich werden. Auf gleicher Fläche kann somit mehr Wohnraum entstehen. Dafür müssen nicht extra Böden versiegelt werden, und Kosten spart es auch, weil hier häufig keine oder nur eine geringe Grunderwerbsteuer fällig wird.

Denn bei aller Stadtentwicklungs-Theorie dürfen wir die große Herausforderung an die Wohnungsbaupolitik unserer Zeit nicht aus den Augen verlieren: Wir brauchen mehr bezahlbaren Wohnraum und es gibt viele Menschen, die dringend darauf angewiesen sind, dass wir dafür die richtigen Rahmenbedingungen setzen.

 

Schreibe einen Kommentar

Werner Eckart

Eigentümer und Geschäftsführer OTEC, München

Das Werksviertel wird derzeit von vielen als Prototyp eines „Urbanen Gebietes“ angesehen, wie es nun auch in der Baunutzungsverordnung (BauNVO) geführt wird.

mehr...

Als wir vor 15 Jahren begannen, den Plan für das neue Werksviertel zu erarbeiten, wollten wir nicht einfach nur ein paar schöne neue Gebäude errichten. Wir wollten einen besonderen Ort erschaffen. Einen Ort, an dem Menschen leben, arbeiten, einkaufen und unterhalten werden, an dem sie Kultur, ihren Alltag und ihre Freizeit genießen. Wir wollten nichts weiter, als ein Stück lebendige Stadt bauen. Nur wie genau stellt man das an? In der Folge haben wir erst einmal wenig geplant, sondern viel gelernt. Über Urbanität zum Beispiel. Alle Experten sind sich einig, dass die sich leider nicht so einfach am Reißbrett erschaffen lässt. Wir haben uns davon nicht entmutigen lassen, sondern weiter geforscht und weiter gedacht. So entstand nach und nach die Vision des Werksviertels, an der wir heute bauen und die bereits in Teilen Wirklichkeit geworden ist.

Die ersten Kreativagenturen haben sich im Viertel angesiedelt. Es finden Konzerte, Clubnächte und Ausstellungen statt. Künstler arbeiten in subventionierten Ateliers. Gründer tüfteln im Werksviertel an der der digitalen Zukunft. Es gibt die ersten Flaghipstores und eine Stadt aus alten Schiffscontainern, in denen Musiker, Radiomacher oder Motorradschrauber zu Hause sind. Und obwohl erst ein Bruchteil der Gebäude fertig ist, spürt man schon jetzt, dass das Werksviertel anders ist. Doch warum?

Dafür sind, unserer Meinung nach, drei Punkte ausschlaggebend. Erstens: Stadt lebt von ihrer Atmosphäre. Zweitens: Urbanität verträgt keine Kontrolle. Drittens: Wir wollen nicht fertig werden.
Es war uns von Anfang an wichtig, die Geschichte des Viertels als Industriestandort auch in der Zukunft sichtbar zu verankern. Wo immer möglich wurden und werden die Bestandsgebäude, die ehemaligen Werke, kernsaniert und neuen Funktionen zugeführt. Mit diesen Maßnahmen ging es uns darum, die Seele des Ortes zu erhalten. Und das spürt man.

Bei der Suche nach Siedlern für das Werksviertel, haben wir zudem nicht nach Mietern, sondern nach Partnern gesucht. Wir haben gezielt nach Menschen Ausschau gehalten, die die unfertigen Räume des Werksviertels nicht als Brache, sondern als Gestaltungsraum ansehen, den sie mit ihren Ideen füllen können.

Wir versuchen außerdem das Werksviertel so wenig wie möglich zu kontrollieren. Einen (Stadt-)Dschungel, pflanzt man nicht mit Hacke und Gießkanne. Man lässt ihn wuchern. Manchmal wissen wir selbst nicht, wohin uns das führen wird. Aber genau darin liegt der Reiz. Wir begreifen das Werksviertel nicht als Ensemble von Gebäuden, das irgendwann einmal fertig dastehen soll. Urbanität muss man nicht nur wollen, sondern auch zulassen und manchmal, wenn sie aus dem Ruder läuft, auch ein Stück weit ertragen.

Auf dem Weg unsere Vision zu verwirklichen, haben wir sehr viel Unterstützung erfahren, insbesondere von Seiten der Stadt München. Den Großteil unserer Planung haben wir auf den Weg bringen können, lange bevor die BauNVO „Urbane Gebiete“ definiert hat. Ausschlaggebend dafür waren weniger Gesetze und Vorschriften, als vielmehr ein gemeinsamer Gestaltungswille aller, die an der Entwicklung des Werksviertels beteiligt waren.

Schreibe einen Kommentar

Andreas Feldtkeller

Architekt und Stadtplaner, Stuttgart

In den nächsten Tagen soll im Bundestag und Bundesrat eine Baurechtsnovelle beschlossen werden, die u.a. die Baunutzungsverordnung um einen neuen Gebietstyp, das ,Urbane Gebiet‘ (BauNVO §6a) ergänzt.

mehr...

Dies könnte eigentlich ein wichtiger Schritt sein in die Richtung, von der im Aufruf zum Münchner BDAtalk gesagt wird, es gehe jetzt darum, „eine vitale, kleinteilige Mischung jenseits einfacher, eindimensionaler Funktionalitäten“ zu fördern.

Wie es aussieht, wird wohl Kleinteiligkeit oder Kleinräumigkeit in der Fassung des neuen ,urbanen Gebietes‘ nicht vorkommen. Das war zwar im Referentenentwurf des Ministeriums für Umwelt und Bau enthalten, wurde aber von der Regierung nicht übernommen. Auch Gebäude, die neben- oder übereinander Gewerbe und Wohnen vorsehen, sind gestrichen. Die Bauminister der Länder gehen sogar noch weiter, wenn sie feststellen, dass „die Umsetzung der stadtplanerischen Ziele des ,Urbanen Gebietes‘ nicht allein durch eine verstärkte Nutzungsmischung erreicht werden kann“ (Protokoll des Bauministerkonferenz vom 20./21.10.2016).

Wie konnte es soweit kommen? Nun, Politik und Planung haben es in den zurückliegenden 25 Jahren versäumt, mit Unterstützung der Wissenschaften, unter Beteiligung der Öffentlichkeit und in praktischen Versuchen zu klären, welche gesellschaftliche Aufgabe neue Mischgebiete künftig als Gegenstück zur bisher gängigen Trennung von Wohnen und Arbeiten übernehmen müssen.

Die Eigenschaft ,urban‘ bedeutet natürlich mehr als einfach städtisch = dicht bebaut. Es geht um Quartiere mit Strukturen, die schon in ihrem gleichberechtigten, gleichrangigen, kleinräumigen und dichten Nebeneinander von Wohnen und (auch produzierendem) Gewerbe etwa a) einen leichteren Zugang zu unterschiedlichsten Formen der Erwerbstätigkeit fördern, b) Integration/Inklusion zur Sache des normalen Alltags machen, c) für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sorgen und d) die Befreiung von den Verkehrszwängen des städtebaulichen Fordismus bewirken. Dies alles sind noch längst keine Selbstverständlichkeiten.

Erforderlich ist hierzu nicht nur eine stimmige und eindeutige Regelung im Planungsrecht, sondern auch gestalterische Phantasie in der Umsetzung, vor allem für öffentliche Räume, die die Bedürfnisse der ,schwachen Nutzern‘ (insbesondere Kindern, Jugendlichen, älteren Menschen, Nutzer mit atypischen Lebensgewohnheiten oder Angehörige von Minderheiten) mindestens genauso berücksichtigen wie die der ,starken Nutzer‘ – oder für neue hybride Quartiersformen aus z.B. gemischt genutzen Gebäuden, Gewerbehöfen und alltagstauglichen Freiflächen.

Ein wirklicher Gewinn für das Zusammenleben in der Stadt kann erst dann entstehen, wenn Politik und Planung die genannten Dinge eindeutig und klar benennt und wenn die daraus entstehende Praxis sich nichtallein auf die Innenstädte wirft, sondern sich vor allem um die Nach-Urbanisierung in den verstädterten Peripherien kümmert.

Schreibe einen Kommentar

Prof. Dr.(I) Elisabeth Merk

Stadtbaurätin, Landeshauptstadt München

Das Besondere an der Entwicklung des Werksviertels ist, dass es gelang, aus bestehenden kulturellen Nutzungen Impulse für die Weiterentwicklung zu generieren, also eine Art „Kreativquartier“ mit alt + neu + coworking spaces.

mehr...

Dieses Ergebnis beruht auf einer langen Planungsgeschichte:

Das Gewerbegebiet am Münchener Ostbahnhof wurde bereits seit den 70er Jahren aufgegeben und durch Zwischennutzungen für Freizeit- und Eventveranstaltungen umstrukturiert. Für die Öffentlichkeit wurde es zugänglicher, geblieben ist jedoch die isolierte Lage in der Stadt.

Der städtebauliche und landschaftsplanerische Wettbewerb „Rund um den Ostbahnhof“ lieferte 2001 die Grundlagen für die Entwicklung eines innerstädtischen durchmischten städtischen Quartiers mit guter Anbindung und Vernetzung mit seinem Umfeld. Durch neue Impulse und die Initiative einzelner Eigentümerinnen und Eigentümer kommt das Projekt 2011 richtig in Fahrt:

Das Konzept für ein urbanes Quartier mit städtischer Nutzungsvielfalt wird vertieft und fortgeführt. Identität des Ortes, bestehende Nutzungen und prägende Bauten sollen erhalten und herausgearbeitet werden. Zusätzlich kommen ein neues Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Erholung, Kultur, Bildung und soziale Infrastruktur hinzu, werden integriert und ergänzt. Das Quartier wächst im Kontext mit seiner industriellen Vergangenheit.

Leitidee für das enge und dichte Nebeneinander unterschiedlicher Nutzungen im Werksviertel ist die Zonierung und Unterteilung in Nutzungsbereiche. Den Kern bildet ein „Kulturviertel“, im Anschluss ein „Wohnviertel“ an einem neuen zentralen Park und schließlich zeitgemäß gestärkte „Gewerbeviertel“ im Norden und Süden. Entsprechend wurden die Gebietstypen nach der Baunutzungsverordnung (BauNVO) im städtebaulichen Planungskonzept gewählt: Allgemeine Wohngebiete, Kerngebiete und Gewerbegebiete, ergänzt durch Gemeinbedarfsflächen für Bildung und soziale Infrastruktureinrichtungen und öffentliche Grünflächen. Die Konfliktpotentiale dieser Nachbarschaften sind die zentralen Themen im Bebauungsplan, wurden jedoch bewertet und bewältigt. Der Lärmschutz kann nur durch Begrenzung der Emissionen aus den Gewerbegebieten adäquat behandelt werden. Zudem wurden Blockstrukturen für die Wohngebiete mit ruhigen Innenhöfen festgesetzt. Das neue Wohnen orientiert sich sowohl zu belebten Straßenräumen mit großer Aufenthaltsqualität als auch zu privaten Höfen sowie zum Park.

Es wird mit baulichen Dichten gearbeitet, die die Obergrenzen der aktuellen BauNVO deutlich überschreiten. Argumente zur Begründung dieser Dichten sind die außerordentliche Lagegunst des Gebiets, das Ziel, die wenigen noch verfügbaren Flächen in der Stadt optimal zu nutzen, der immense Bedarf für neue Wohnungen in München und schließlich das Gebot des sparsamen Umgangs mit Grund und Boden. Detaillierte Untersuchungen zu Besonnung, Belichtung und Lärm zeigen, dass die allgemeinen Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse in der Planung des Werksviertels erfüllt werden.

Der Gesetzesentwurf des Bundesbauministeriums zur „Stärkung des neuen Zusammenlebens in der Stadt“ sieht die Ergänzung der BauNVO durch den neuen Gebietstyp “Urbane Gebiete“ vor. In urbanen Gebieten darf künftig dichter und höher als in den vergleichbaren Mischgebieten gebaut werden. Zudem sollen höhere Lärmimmissionswerte durch gewerblichen Lärm, mit entsprechender Anpassung der TA-Lärm, zulässig werden. Die Planung des Werksviertels zeigt, dass ein zeitgemäßes innerstädtischen Quartier, eine lebenswerte und qualitative Stadt mit kurzen Wegen, ein Nebeneinander von Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Kultur auch ohne Novelle der BauNVO auf den Weg zu bringen ist. Jedoch ist das nur möglich mit erheblichem planerischen Willen und Einsatz, mit dem Ausschöpfen aller Planungshilfen und vor allen Dingen mit der ausgesprochen hohen und unbedingten Mitwirkungsbereitschaft aller Akteure, allen voran die der Eigentümerinnen und Eigentümer.

Der Weg zu diesen urbanen Orten, der heute vermehrt und – den aktuellen städtebaulichen Entwicklungen geschuldet – häufiger und stärker auf der Agenda stadtpolitischer Ziele steht, soll und kann zukünftig durch die Einführung der Kategorie „Urbanes Gebiet“ erleichtert werden.

Schreibe einen Kommentar

Christian Böhm

Architekt und Stadtplaner, 1. Vorsitzender des Deutschen Werkbunds Bayern, München

Endlich bewegt sich mal was in München, langsam aber immerhin. Nachdem wir jahrzehntelang alle historischen Relikte bei baulichen Entwicklungen rigoros beseitigt haben, darf nun immer öfter das eine oder andere stehen bleiben, werden die Gebäude transformiert und mit neuen Nutzungen gefühlt.

mehr...

Das gibt dem jeweiligen Ort spezifische Qualität.

Die Neuordnung des Werksviertels am Münchner Ostbahnhof ist ein wichtiger Schritt hin zu einer verdichteten, lebendigen und bunten Stadt. Der undogmatisch Umgang mit Bestand und neuen Nutzungen tut gut. Dabei ist zugegebenermaßen vieles nicht perfekt, würde man sich noch mehr Offenheit und Mut wünschen und einen größeren Beitrag zu einer lebenswerten Stadt für alle, nicht nur für Gutverdiener. Da lässt der ökonomische Druck auf die letzten Flächenreserven in unserer Stadt leider keine unüberplanten Reservate für die Subkultur mehr zu. Aber München ist nicht New York, Rotterdam, das Ruhrgebiet oder Hamburg. München hat eine vergleichsweise bescheidene Industrietradition, keine großen historischen Gewerbequartiere und keine leerstehenden Hafengebäude. Deshalb ist der im Vergleich zu anderen Städten kleine Schritt, ein großer Schritt für München.

Auf den Erkenntnissen der Planung am Ostbahnhof sollte München aufbauen, es sollten mehr Areale mit urbaner Dichte geschaffen werden, der Bestand sollte wo es geht erhalten und neu genutzt werden. Das ist ein wichtiger Baustein für lebenswerte Quartiere mit eigener Identität. Im Werksviertel gibt es noch kein wirkliches Durchmischen von Arbeiten und Wohnen, dort liegen Wohngebiete neben Kerngebieten. Das neue Instrument des Urbanen Gebiets kann zukünftig eine bessere Verzahnung ermöglichen. Aber wir sollten noch weiter denken. Je dichter die Nutzungen aufeinander gepackt werden, desto wichtiger wird es, die Prioritäten richtig zu setzen. Dabei bedürfen gerade die Wohnqualität und das Schaffen einer großen Zahl neuer Wohnungen unseres besonderen Augenmerks. Da darf es nicht passieren, dass die Wohnqualität in der Abwägung hinten anstehen muss, nur weil beispielsweise Zauneidechsen oder Lärmschutz zufälligerweise einen besseren rechtlichen Schutzstatus besitzen. Apropos Lärm – jetzt ist es sicherlich auch an der Zeit, bei Planungen die positiven Auswirkungen der zu erwartenden rapiden Umstellung des Kfz-Verkehrs auf elektrische Antriebe zu berücksichtigen.

Das Werksviertel ist nur ein Teil des Ganzen. München braucht grundsätzlich ein klares Bekenntnis zu einer großstädtischen Entwicklung mit Wohnungsbau und Gewerbe, mit dichten Quartieren und sehr urbanen Grünflächen. Dabei müssen wir uns dazu bekennen, dass in einem solchen urbanen Kontext nicht jeder gänzlich ungestört vom Nachbarn leben kann und Naturschutz in dieser Stadt nicht im Mittelpunkt steht. Zu einem solchen Konzept gehören dann aber auf der anderen Seite selbstverständlich auch durchgängige Grünzüge mit leistungsfähigen Radwegen ins grüne Umland und ein leistungsfähiges ÖPNV-Netz. Nur eine klare Prioritätensetzung wird es möglich machen, dass München die aktuellen Herausforderungen der wachsenden Stadt wirklich bewältigt.

Schreibe einen Kommentar

Michael Leidl

Architekt und Stadtplaner, Bad Birnbach

Städtebauliche Projekte finden in einer Vielzahl paralleler Universen statt. Architekten und Stadtplaner denken in städtebaulichen Räumen, ordnen Funktionen und stellen Beziehungen her.

mehr...

Grundstücksbesitzer bewegen sich zwischen der Verantwortung für eine sinnvolle Verwertung, finanziellen Herausforderungen und dem Risiko eigenen Engagements. In weiteren Parallelwelten kreisen Gedanken um Aufgaben der Stadtentwicklung als Gesamtorganismus, die Fragen und Bedürfnisse von Betroffenen und Beteiligten, Anliegern und Konkurrenten.

Nur kleine Wurmlöcher stellen die Verbindung zwischen diesen Welten her, und das gegenseitige Verständnis für die jeweils anderen Universen bleibt begrenzt – schon weil die Erfordernis, sich auf die Sprache der Bewohner anderer Welten einzulassen zunächst das Bewusstsein für diese Aufgabe erfordert.

Während die Zielsetzung ‚kompakt, urban, durchgrünt‘ schon seit Mitte der neunziger Jahre in München diskutiert und auf Ebene der Bauleitplanung verfolgt wird, ist der Nachweis einer funktionierenden Neugründung eines lebendigen und lebenswerten Stadtbausteines bisher offen.

Die besondere Situation des Werksviertels mit seiner Vorgeschichte unterschiedlicher etablierter Zwischennutzungen, einem in persona agierenden Eigentümer und der Verflechtung der Stadtbewohner mit dem Quartier hat nicht nur in besonderem Maße nach einer Entwicklung unter Einbeziehung der bestehenden Strukturen verlangt, sondern lässt eine solche Entwicklung auch in besonderem Maß aussichtsreich erscheinen.

Die künftige Gebietskategorie „urbane Gebiete“ versucht auf der Ebene juristischer Rahmenbedingungen und technischer Grenzwerte etwas nachzuvollziehen, was in den lebendigen Quartieren gewachsener Stadtstrukturen bisher nur auf der Basis von Bestandsschutzregelungen möglich war. Ob der vorgesehene Ausschluss von Geschäfts- und Bürogebäuden diesem Ziel dienlich sein kann, ist sicher diskutabel. Neben dem juristischen, bauordnerischen und städteplanerischen Rahmen muss aber vor allem das gesellschaftliche Fundament für solche Neugründungen robust genug sein, um die unvermeidlichen Unzulänglichkeiten des Versuches, alle denkbaren Zielkonflikte im voraus durch gesetzliche Regelungen zu vermeiden, zu verkraften.

Die Bereitschaft der Akteure, Rücksicht auf existierende soziale Strukturen zu nehmen und die Interessen aktueller Nutzer der seltenen kreativen Freiräume mit in das Konzept zu integrieren sind allein deshalb ein hoch aktueller Ansatz. Mit steigender Zahl der Beteiligten wird aber auch die Schwierigkeit, stringente Gestaltungsansätze von der Planungsebene bis zur Realisierung durchzuhalten, größer.

Aufbauend auf der Identität des ehemaligen Industrieareals, unter Einbeziehung der in der Phase der Zwischennutzungen entstandenen Strukturen und mit dem konsequent verfolgten Anspruch städtebaulich und architektonisch qualitätvoll weiterzubauen, besteht im Werksviertel die Chance für eine Entwicklung, die in mehreren parallelen Welten Erfolge zeitigt.

Schreibe einen Kommentar

Dr. Robert Arsenschek

Akademiedirektor ABP, München

Hier ist vorab, für Leser in Eile, der Elevator Pitch: Wie gelingt zeitgemäße Stadtentwicklung, wie ein gesunder urbaner Mix? Die ergänzte BauNVO hilft dabei. Sexy wird ein städtebauliches Projekt aber erst, wenn Menschen daran teilhaben, mit Herz und Witz. So wie im Münchner Werksviertel.

mehr...

Die Buchstaben sind riesig. „VIELFALT“ prangt an der Fassade von Werk 1, wo digitale Ideen sprießen. Das Motto steht fürs ganze Werksviertel: Hier wächst ein bunter urbaner Mix aus Arbeit und Freizeit, aus Wohnen und Kreativität, aus Historischem und Neuem.

Gut: Vielfalt gibt es hier schon länger. Bisher spielt die sich aber in zwei völlig getrennten Welten ab. Da ist Welt A (wie Arbeit). In ihr werkeln Künstler, Medienprofis, Techniker. Auch wir, die Akademie der Bayerischen Presse. Dann gibt es Welt P (wie Party). Ein Biotop, das auf dem einstigen Pfanni-Gelände, dem ehemaligen Optimol-Areal und den zugehörigen Musikclubs wuchs.

Es herrscht strikte Funktionstrennung: Wenn Welt A heimgeht, trifft Welt P gerade erst ein, zum Wochenende hin. Es gilt der Grundsatz: Während die eine Welt pulsiert, liegt die andere brach. Es fehlt: Durchmischung.

Jetzt soll ein vitaler Nutzungs-Mix entstehen, samt Wohnungen. Ein klug verdichteter Lebens- und Erlebnisraum in der Stadt. Die ergänzte BauNVO macht derlei „Urbanes Wohnen“ leichter. Erlaubt mehr Mischung, regelt Höchstdichten und Immissionsschutz neu. Reicht das? Das sollen Experten beurteilen. Immerhin: Es tut sich was.

Wichtiger erscheint mir: Sind die Menschen mit Herz und Witz dabei? Bauvorschriften sind das eine. Doch erst Menschen füllen sie (und ein Stadtviertel) mit Leben.

Beim Werksviertel fehlt es nicht an Anteilnahme. Als es dort um den Standort für den neuen Konzertsaal ging, bebte München, erstmals seit langem auch jenseits der Fachkreise. Und wo gibt es das schon, dass ein Eigentümer wie Pfanni-Erbe Werner Eckart auf seinem Gelände nicht nur schicke Cafés und Agenturen vorsieht, sondern auch subventionierte Mieten für Künstler – und dazu grasende Schafe auf der Dachwiese von Werk 3? Und dann will er noch ein Vier-Sterne-Hotel auf einen alten Kartoffelsilo bauen.

Wichtig ist, dass die Rede vom bezahlbaren Wohnraum kein Lippenbekenntnis bleibt. Wohnungen für 3000 Menschen sollen entstehen. Unsozial wäre es, wenn einige leer stünden, weil betuchte Bewohner sie nur nutzen, wenn sie fürs Konzert der Philharmoniker in die Stadt kommen.

Eines noch: Muss es wirklich sein, dass alle, die vom Ostbahnhof aus ins Werksviertel wollen, durch eine Röhre des Grauens müssen, sprich: durch die gruselige Gleisunterführung? Will sich keiner erbarmen und eine ansehnliche Fußgängerbrücke entwerfen? Das gefiele nicht nur den Konzertbesuchern. In London gelangen Fußgänger jetzt über die Millennium Bridge von der City ins einst schmuddelige Southwark (und zur Tate Modern), ein ästhetisches Erlebnis für sich. Der Vergleich hinkt, ich weiß. Aber München sollte nicht kleinmütig denken. Gerade, wenn es ums Werksviertel geht.

Schreibe einen Kommentar

Christian Bodensteiner

Architekt und Stadtplaner, München

Die BauNVO entspricht längst überholten städtebaulichen Leitbildern aufgelockerter Städte in offener Bauweise mit klarer Funktionstrennung und bedarf einer grundlegenden Reformierung.

mehr...

Die neue Kategorie „urbane Gebiete“ ist für innerstädtische Gebiete wie das Münchner Werksviertel sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung, aber eben nur ein Schritt – innerhalb klar abgegrenzter Bereiche. Auf wieviel Promille der städtischen Flächen Deutschlands wird diese neue Kategorie wohl angewandt werden? Für den Rest bleibt alles beim Alten? Gewerbegebiete funktionieren weiter als Motor des Flächenfraßes und werden mit Funktionen gefüllt, die richtigerweise im dichten, urbanen Kontext angeordnet sein sollten? Die dringend nötigen Stellschrauben für einen zeitgemäßen Städtebau sind das noch nicht.

Zentraler Ansatz dafür wäre die ganzheitliche und nachhaltige Nutzung der Ressource Boden und die Beteiligung aller Bevölkerungsgruppen an diesem Allgemeingut. Grundstückswertgewinne basieren auf öffentlichen Investitionen und gesamtgesellschaftlichen Wirtschaftsleistungen und müssten folgerichtig wieder der Allgemeinheit zufließen. Solange der politische Konsens für die Einführung einer reinen Bodenwertsteuer (ohne Besteuerung des Gebäudes) nicht in Sicht ist, bleibt den Kommunen die Möglichkeit einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Grundstücke im Erbbaurecht. Die Münchner „Sozialgerechte Bodennutzung SoBoN“ greift zu kurz: Sie erfasst nur größere Neubaugebiete. Wertsteigerungen ab deren Fertigstellung werden ebenso wie die Wertsteigerungen des stadtweiten Grundstücksbestands nicht erfasst.

Für einen Wandel zur Stadt der kleinteiligen, soziokulturell und nutzungs-gemischten, lebendigen Quartiere müssen sich die Rahmenbedingungen stärker am Bedarf der Menschen und weniger an den Wirtschaftlichkeitsberechnungen der Immobilienwirtschaft orientieren. Um das bürgerschaftliche Engagement zu stärken, eignet sich z.B. das Prinzip der Konzeptvergaben öffentlicher Grundstücke. Aus der Bürgerschaft initiierte Baugruppenprojekte weisen eine hohe Innovationskraft auf und sind von einer starken Aktivierung des öffentlichen Raums geprägt.

Auch auf die der Bodenwertsteuer immanente Aktivierung brachliegender Flächen müssen wir also noch warten. Bis dahin werden wirkungsvolle und praktikable Instrumente wie die baurechtliche Festsetzung von Mindestdichten und eine Abgabe für un- und untergenutzte Grundstücke benötigt. Das Gebäude, das im urbanen Gefüge nicht entstehen kann, finden wir weit draußen auf der grünen Wiese wieder.

Die klassische Blockrandbebauung mit ihren ruhigen Rückseiten und einer klaren Zonierung von öffentlich und privat hat gegenüber der offenen Bauweise viele Vorteile. Anders als diese entfaltet sie ihre Qualität bei hoher Dichte, die selten als beengend empfunden wird. Sie eignet sich als Grundgerüst für die kompakte, urbane Stadt der kurzen Wege wie kein anderes Prinzip. Warum eigentlich entstehen dann so viele allseitig verlärmte Gebäude mit oft indifferenten Resträumen dazwischen?

Rahmenbedingungen machen noch keine gute Stadtplanung aber sie sollten sie ermöglichen, bestenfalls fördern.

Schreibe einen Kommentar

Wolfgang Czisch

Münchner Forum, Arbeitskreis Stadt: Gestalt und Lebensraum

Als 1964 der Zeitgeist gegen die Europäische Stadt verbindlich in das Bundesbaugesetz gegossen wurde, nahm Deutschland auch von seinen überlieferten „Stadtpersönlichkeiten“ Abschied.

mehr...

Das neue Stadtentwicklungsideal setzte die „Volks-Gesundheit“ an vorderste Stelle mit „Licht, Luft“ und Trennung der Nutzungsarten. Der Öffentliche Raum trat hinter die Mobilitätsfunktion zurück. Die im Gesetzeswerk dekretierte Ablösung von den bis dato gültigen Stadtsatzungen ließ nur noch bis zum 31.12.1979 eine Übergangsfrist zu, die München mit seiner „Staffelbauordnung“ voll ausschöpfte. Danach waren die Gestaltungselemente der „Bebauungsplan“ und § 34 (Art und Maß der umgebenden Bebauung), die zunächst begeistert begrüßt wurden.

Es wurde aber schnell bewusst und erschrocken registriert, dass der Stadt ihre historische Tiefe und ihr Gesamtzusammenhang verloren ginge, wenn nicht ein Instrument geschaffen würde, das das Erhaltenswerte der in der Vergangenheit entstandenen und vom Krieg verschonten Bauten unter Schutz stellen würde. Anfang der siebziger Jahre wurden deshalb überall in den Ländern Denkmalschutzgesetze erlassen, in denen Ensembles und Einzelgebäude unter Schutz gestellt und Denkmalnähe beachtet werden müssen. Der Bruch mit der „alten“ Stadtpersönlichkeit sollte in der Gegenwart kenntlich gemacht werden. Zuallererst wirkte sich der Bruch auf den belebten Öffentlichen Raum aus. Die Ansprüche nach Privatheit räumten die Straßenalleen ab. Sie erweiterten den Fahr-Straßenraum für die Erfüllung des Traumes, den mobilen Privatraum mit sich zu führen oder am Straßenrand auf sich warten zu lassen. Die Verrechtlichung des Straßenraumes war die Folge. Jedermann muss jetzt beachten, auf welcher Spur er sich als Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer oder Parkplatz-Suchender befindet.

Es zeigt sich jedoch, dass die durch das BauGB geprägten Räume der Neustadt die Attraktivität der klassischen Stadtpersönlichkeit, die durch Straßen und Öffentlichen Raum gekennzeichnet ist, bei weitem nicht erreicht. Nur wenige besuchen die dort entstandenen Schlaf- und Arbeitsstätten um ihrer selbst willen. In demokratischen Strukturen fällt der Mangel an Öffentlichem Raum besonders ins Gewicht. Nach dem BauGB könne man keine Urbanität mehr bauen, ist die achselzuckende Entschuldigung der zeitgenössischen Städtebauer.

Wenn nun von der Bundesbauministerin Barbara Hendriks in Anpassung an Europäische Vorgaben und durch den nun auftretenden Wohnungsmangel mit knappem Bauland eine Novellierung der Baugesetzgebung mit dem Ziel der „Stärkung des neuen Zusammenlebens“ angestrebt wird, dann kann dies eine Konsequenz aus der unbefriedigenden Stadtentwicklung seit 1945 sein. Ja, es ist ein Schritt aus dem Städtebauparadigma des BauGB zu neuer Reflektion über das Wesen der Stadt und ein pragmatischer Schritt zu effektiverem und flächenschonenderem Bauen.

Für München stellt sich die Entwicklung der Stadtentwicklungsplanung nach 1945 so dar: Die Wohnungsnot zwang zur Ausweitung des Wohnungs-, Industrie- und Gewerbebaus, und zwar, der Charta von Athen folgend und gegossen ins BauGB, getrennt nach Wohnen und Arbeiten. Oberbürgermeister Hans Jochen Vogel richtete dazu eine Stabstelle im Direktorium zur Organisation der Stadtentwicklung ein. Großmaßstäblich wurde beispielsweise in Fürstenried und Perlach gebaut – autogerecht.

Die Stabsstelle wurde unter Georg Kronawitter erweitert und das „Stadtentwicklungsreferat“ gegründet. Die Verwaltung wurde mit großem Aufwand für diese Aufgabe neu strukturiert und übernahm die dafür notwendigen Kompetenzen aus den anderen Referaten, z.B. die Flächennutzungsplanung aus dem Baureferat.

Doch schon Erich Kiesel löste das Referat 1980 wieder auf und verräumte die Zentralaufgabe als Hauptabteilung in das Planungsreferat (der Leiter des Referats wurde zum Chef der Internationalen Gartenbauausstellung IGA 83 versetzt). Begründet hat Kiesel es damit, dass die Wohnungsfrage weitgehend gelöst und dass diese räumliche Entwicklungsaufgabe der Stadt nicht mehr notwendig sei. Planung und Baugenehmigung sind nun „gleichberechtigt“ mit der Stadtentwicklung zusammengespannt.

Christian Ude schließlich verlegte Zug um Zug viele Kompetenzen der Hauptabteilung des Planungsreferates wieder in die einzelnen Referate zurück. Sogar die Klimaerwärmung ist keine Frage der Stadtplanung mehr, sondern wird im Umweltreferat bearbeitet.

Ende der Stadtentwicklungsgeschichte?

In der von Stadtbaurätin Christiane Thalgott 1995 in Auftrag gegebenen Fortschreibung der Hochhausstudie hat Ferdinand Stracke formuliert, dass die Gesamtstadt als Planungsgröße zu groß sei und demzufolge nur noch die Quartiersentwicklung geplant werden könne. Die Beschränkung auf Quartiere löste eine Flut von Bau-Wettbewerben aus, die ohne räumliche Gesamtkriterien ausgeschrieben wurden. Der städtische Ratgeber Ferdinand Stracke wundert sich in seinem Buch „Wohn Ort München“ über die fatale Situierung des Hochhauses am Mittleren Ring, das über dem Siegestor erscheinend das Ensemble der Ludwigsstraße beschädigt. Es gab in der Stadtverwaltung niemand mehr, der über das Quartier hinaus stadtauswärts geschaut hat. Ein Antrag zum Weltkulturerbe dieses klassizistischen Ensembles erübrigt sich nun trotz bester Vorrausetzungen.

Die fehlende öffentliche Stadtentwicklungsplanung ist kein Münchner Sonderfall, sondern ein zentraler Mangel bei den Städten und Gemeinden. Nun kommt die Ministerin in der Novellierung des BauGB zu der zweifellos richtigen Erkenntnis, dass sich über Bebauungspläne keine gedeihliche Stadtentwicklung besonders in Zeiten des Booms bewältigen lässt. Auch gerät das Gesamte aus dem Blick. Die „unbeplanten“ Bereiche nach §34 BauGB machen gegenwärtig ebenfalls alle Strukturüberlegungen wegen der „Ansteckungsgefahr“ unmöglich. Nunmehr könnten in diesen Bereichen dichtere Gebiete entstehen, ohne damit Rechtsansprüche nach gleicher Dichte auszulösen. (In der Märzausgabe 2017 der Standpunkte des Münchner Forums habe ich selbst eine Bau-Verdichtung am Hauptstraßennetz vorgeschlagen.) Wenn nun zur „Unterstützung der planerischen Praxis“ punktuell erleichtert eingegriffen werden kann, bedeutet das zunächst nichts Gutes für die Stadt. Zuerst müssen durch eine kompetente Planungsverwaltung Planungsziele dem Stadtrat zur Beschlussfassung vorgelegt werden, nur so ist eine Stadtentwicklung langfristig erfolgreich und identitätsstiftend.

Das zentrale Element in der Novelle „Zur Stärkung des Zusammenlebens in der Stadt“ ist Dichte und Mischung und ihr potentieller Gewinn für die Stadtgesellschaft. Dieses Ziel ist sehr begrüßenswert. Erst dadurch entsteht lebendiger Öffentlicher Raum, in dem sich die Stadtgesellschaft trifft in Ergänzung zum privaten Raum. Der Öffentliche Raum ist der Schlüssel für die Stadtentwicklung. Er ist das Ergebnis von urbaner Mischung, er erfordert auch eine neue Gewichtung der Rechte der Bürger in ihrer Stadt.

Was das Vorhaben betrifft, die bauliche Entwicklung im Außenraum (§13b) in das „beschleunigte Verfahren“ einzubeziehen, sind hier schwere Bedenken über die Auswirkungen geltend zu machen. Sicher lässt sich in bestehenden unbebauten Bereichen schnell Baufläche gewinnen, wenn Einsprüche nicht überwunden werden müssen, aber hier überrennt das Bedürfnis nach rasch realisierbarem Wohnungsbau das Ziel, urbanes und flächenschonendes Bauen zu fördern. Auch der Grünausstattung der Stadt kommt in Zeiten der zunehmenden Sommererwärmung eine hohe Bedeutung zu.

Für das Werksviertel hinter dem Ostbahnhof, den ersten Anwendungsfall der Novelle des BauGB in München, ist die Liberalisierung der „Baunutzungsverordnung“ (BauNV) von entscheidender Bedeutung. Die industrielle und gewerbliche Mischung hier mit der geforderten Wohnungsergänzung wäre verwaltungstechnisch ohne Novelle nur schwer zu realisieren. Auch die Höchstwerte der Nutzung, ihre Höhe und der Überbauungsgrad etc. sind hier in der Mischung mit einem Konzertsaal leichter in ein interessantes Ensemble zu bringen, wenn die gesetzlichen Vorgaben gelockert sind. Hoffentlich waren den Teilnehmern am Wettbewerb für den neuen Konzertsaal des Bayerische Rundfunks die neuen Möglichkeiten bewusst, um sie in ihren Entwürfen zu nutzen. Sowohl die Mischung als auch die Dichte und Höhe bieten nun erweiterte Spielräume. Die Situation in diesem Kerngebiet ist bestimmt von der ursprünglichen Nutzung und ihrer baulichen Geschichte. Das macht es spannend und kompliziert. Dem Konzertsaal wird die Aufgabe zugewiesen, in engen Verhältnissen eine übergeordnete Ordnung in diesen spannenden Raum zu tragen. Engstellen, heterogene Nachbarschaften, Öffentliche Räume und ein Ort mit Blick über die Altstadt bieten Vorrausetzungen, die für München neu sind.

Schreibe einen Kommentar

Prof. Karin Schmid

Architektin und Stadtplanerin, München

Werksviertel – zeitgemäße Stadtentwicklung?

mehr...

Die Entwicklung des heute ‚Werksviertel‘ genannten Quartiers verfolgen wir in unserem Büro fortlaufend mit größtem Interesse, schließlich war unser Wettbewerbserfolg 2002, beim international ausgeschriebenen Städtebaulichen Wettbewerb des damals noch ‚Rund um den Ostbahnhof‘ titulierten Stadtbereichs, ein Meilenstein für unser Büro.

Seitdem sind 15 Jahre vergangen, globale und lokale Rahmenbedingungen haben sich verändert, nicht zuletzt auch zum Erhalt von Bestandsgebäuden oder zum programmatischen Konzept des Viertels. Erste Bauten wurden bereits realisiert. Ein natürlicher Prozess der Transformation von Stadt. Dennoch sind Spuren unserer damaligen Ideen – wie die linearen, breiten ‚Kommunikationsbänder‘ oder die profilüberragenden Hochpunkte – weiterhin zu finden: zum Teil schon in der Umsetzung befindlich oder als tragender Bestandteil des weiterentwickelten Konzepts. Es ist spannend zu sehen, wie unser damaliges Konzept durch die Weiterentwicklung von Steidle Architekten in einen positiven Dialog mit dem Bestand tritt. Dadurch entsteht eine noch stärkere Mischung an Nutzungen, wofür das ‚Urbane Gebiet‘ eine gute Grundlage zur Umsetzung bilden könnte.

Die neue Kategorie ‚Urbanes Gebiet‘ der BauNVO – die vielleicht wesentlichste Novellierung des 1960 in Kraft getretenen Baugesetzbuches – könnte die passende Antwort auf viele Fragestellungen und die erwünschten Nachbarschaften des Werksviertels sein; in der Praxis wird sich dies zeigen. Um aber ein zeitgemäßes Nebeneinander unterschiedlicher Nutzungen und auch eine Flexibilität für Veränderungen in der Zukunft ermöglichen zu können, ist es essentiell, bei jeder Planung von neuen oder umzustrukturierenden Gebäuden, immer auch ein Augenmerk auf deren nutzungsneutrale oder Mischung ermöglichende Konzeption zu legen: wie z.B. Erdgeschosszonen mit überhohen Geschosshöhen oder eine vertikale Nutzungsmischung. Denn die im Vorfeld angelegte Möglichkeit der unterschiedlichen Aneignung, macht die Besonderheit sich verändernder Areale und Baustrukturen aus. So wie es eben auch Teil der Geschichte des heutigen ‚Werksviertels‘ ist oder wie wir es aber auch an Bauten aus der Gründerzeit des vorvergangenen Jahrhunderts immer noch schätzen.

So können verschiedene Lebensstile in einer pluralistischen Gesellschaft und in innerstädtischen Quartieren dauerhaft nebeneinander existieren. Ein gewisses Maß an Toleranz und eine Offenheit für Veränderungen sollte für jeden Stadtbewohner dabei ohnehin selbstverständlich sein. Nicht zuletzt benötigt es aber auch eine Konstanz an Beteiligten und ‚Playern‘ vor Ort, um eine für alle passende Entwicklung eines Quartiers zu tragen.

Schreibe einen Kommentar

Dieter Koppe

Architekt, Leiter Arbeitskreis Archiv und Geschichte des Deutschen Werkbund Bayern und Arbeitskreis Konzertsaal München des Deutschen Werkbund Bayern, München

Seit dem Beschluss im Februar 2015, die sogenannte „Zwillingslösung“ im Gasteig umzusetzen, begleitet die Gruppe um den DWB Bayern e. V. die Entwicklung des Projekts für einen neuen Konzertsaal in München.

mehr...

Mit einer Veranstaltung in den Räumen der Bayerischen Akademie der Schönen Künste am 23. 3.2015 haben wir uns eindeutig gegen die wenig durchdachte Zwillingslösung und für die Errichtung eines neuen Konzertsaals mit einer versachlichenden Argumentation positioniert.

Die Standortfrage wurde von uns bewusst ausgeklammert, da wir nicht noch weitere Schnellschüsse evozieren wollten: Jeder Planer liefert ein Angebot mit einem Rendering, aber möglichst ohne konkrete Planungsüberlegungen, alles primär über die Presse publiziert. Die intensive städtebauliche Diskussion um die Standorte „Finanzgarten“, „Paketposthalle“ und „Werksviertel“ haben wir verfolgt und deutlich gemacht, dass an allen drei Standorten ein großes Potenzial für weitere kulturelle Einrichtungen vorhanden ist.

Die im Ministerrat getroffene Entscheidung für den Standort „Werksviertel“ haben wir in der Pressemitteilung vom 15.12.2015 unterstützt. Der Masterplan mit der ausgewogenen Zuweisung von Freiflächen, verdichteter Wohnbebauung, Schulen, Sportplätzen, Hotels, Einzelhandel, Lebensmittelgroßmarkt, Büroflächen, großzügigen Flächen für Kunst und Kultur mit Theater- und Musikbühnen und dem neuen Konzertsaal verspricht eine qualitätsvolle, interessante und wegweisende urbane Nutzung. Durch die Mischung von Wohn- und Arbeitsquartieren mit Freizeitangeboten sehen wir einen Zugewinn an Nachhaltigkeit und urbane Lebensqualität.

Die Vorteile dieser Nutzungsart für die privaten Grundstückseigner sollte durch eine Modifizierung des Bodenrechts zugunsten der Öffentlichen Hand ausgeglichen werden. Wir benötigen dringend ausreichende städtische Räume im öffentlichen oder gemeinschaftlichen Eigentum um die Boden- und Immobilienspekulation einzudämmen. Die Vorteile der gemeinsamen Nutzung in den „Urbanen Gebieten“ wiegen die möglichen Nachteile der dichteren Bebauung und der eventuell erhöhten Lärmemission auf.

Um eine sinnvolle Lösung für eine attraktivere Verbindung vom Werksviertel zur Stadt über die Gleise der DB zu ermöglichen, ist neben der finanziellen Beteiligung der privaten Grundstückseigner eine Zusammenarbeit von Staat und Stadt unbedingt nötig. Schließlich hat das ja auch bei der unseligen „Zwillingslösung“ funktioniert.

Schreibe einen Kommentar